Nochmal zurück – Freitag / Samstag

Gatteville

Der Freitag war ja Pack- und Putztag. Für mich, aufgrund eines tragischen Ereignisses bei unseren Vermietern, einer der schlimmsten Tage die ich in einem Urlaub je erlebt habe. Ich war den ganze Tag wie paralysiert und so gestaltete sich das Packen dann auch wieder chaotischer als gedacht.

Eigentlich ist das Einpacken im Urlaub ja viel leichter, weil ja klar ist, dass alles einfach wieder zurück muss. Aber da ich mit meinen Gedanken einfach ganz wo anders war, entstand dann doch wieder nur Kuddelmuddel. Trotzdem passte alles besser als gedacht in die Kisten, so dass noch Platz für die Geburtstagsblume und auch für die Einkäufe der Schwester für zu Hause war. Deren Auto ist einfach kleiner, und da habe wir das doch gerne gemacht.

Wichtig beim Packen war ja, dass ich die Kisten auch so ins Auto bekomme, dass wir es noch die zwei folgenden Tage prima als Camper benutzen konnten. Mit ein bisschen Tetris und einer Kiste auf dem Beifahrersitz sah das zum Schlafen dann so aus:

Kistenstapel zum Schlafen

Klar, dass das beim Fahren an Ladungssicherung nicht reicht.

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Samstag ging es dann auf den dritten Trödel, diesmal in Quettehou, der mir eine neue (gebrauchte) gusseiserne Grillpfanne bescherte. Um ein bisschen flexibler zu sein, haben wir danach den Trailer abgestellt und uns in Barfleur an den Hafen gesetzt.

Der Hafen von Barfleur, der bei Ebbe ganz leer läuft
Der Hafen von Barfleur, der bei Ebbe ganz leer läuft

 

Eglise St. Nicolas
Église St. Nicolas

 

Die Plakette fehlte noch als Bild
Die Plakette fehlte noch als Bild

Irgendwie kommen die Touristen an der Westküste so bis Carteret, schlabbern dann den nördlichen Teil des Cotentin und werden erst wieder in St. Vaast la Hougue augenscheinlich. Barfleur mit seinem wunderschönen Hafen bleibt dabei noch links liegen.

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Was in diesem Urlaub noch fehlte, das war ein Blick auf den Strand von Néville sur Mer. Die hier noch vorhandene Bunkeranlage stand bis in die 2000er Jahre noch relativ gut erhalten da, bis ein Sturm die Ecke etwas abrasiert hat. Seit dem fallen die Betonklötze auseinander und bilden eine fast surrealistische Kulisse. Assoziationen an Endzeitfilme komme da bei mir auf.

Néville sur Mer Néville sur Mer Néville sur Mer Néville sur Mer

Hier ist ein Blick ins Hinterland dann auch wieder eine Foto wert.

Néville sur Mer

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Zum Abend haben wir dann wie geplant unser Lager in Gatteville aufgeschlagen und wurden wieder mit einem traumhaften Abendhimmel belohnt. Die Sonne verschwand zwar in den Wolken, aber die Farben waren unbeschreiblich.

Gatteville Gatteville Gatteville Gatteville

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Kulinarisch war die Benutzung des Räucherofens als Backofen dann noch ein Quantensprung. Ein Livehack? Vielleicht.

Rillette de Canard auf  Baguette
Rillette de Canard auf Baguette

Service de dépannage

Hatte ich nicht am Montag geschrieben, wir kämen Dienstag an und ich würde dann ab Mittwoch die letzten Tage mal aufarbeiten? Ich sollte mit Versprechen vorsichtiger sein. Obwohl ich mich ja jetzt rausreden könnte und behaupten, dass Donnerstag auch “ab Mittwoch” ist.

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Wir sind am Montag ziemlich genau 187 km weit gekommen, dann streikte der Motor und wir standen auf der “Aire du Moulin” an der A13. Den Autoclub informiert, gewartet, ein Abschlepper fuhr zügig durch den Parkplatz, weiter gewartet, der Autoclub meldete sich und ließ sich nochmal den Standort bestätigen, weiter gewartet und gegen 18:30 kam der Abschlepper. Da hatten natürlich alle Werkstätten schon zu.

Meine Vermutung war eine gelockerte Einspritzdüse, das hatte ich schon mal und äußerte sich ähnlich. Mit lockeren Schrauben habe ich persönliche Erfahrung. Aber der Fahrer war kein Mechaniker und so landeten wir mit Boot auf dem Ablepphof und dann davor, weil ich doch lieber am Morgen dabei sein wollte, wenn es in die Werkstatt und zur Diagnose ging. Also noch eine Nacht in Camper Van. So ab 9 Uhr sollte es weiter gehen, hatte der Fahrer gesagt.

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Um 9 Uhr waren wir bereit, um 10 Uhr habe ich den Autoclub angerufen, ja das Auto solle gleich weitergeschleppt werden. Um 12 Uhr kam die Mittagspause, um 14 Uhr wieder angerufen, ja sie hätten vor 12 Minuten auch nochmal nachgefragt, weil das Auto in den frühen Morgenstunden schon zur Werkstatt gesollt hätte. 16 Uhr erneute Nachfrage, der Abschlepper sei unterwegs und um 17 Uhr war er schon da.

Wohl eine neue Rekordzeit für die 50 m vom Abschlepphof bis zu unserem Standort. Es war wieder der Fahrer vom Vortag. Er meinte, ob man uns vergessen hätte.

17:30 bei der Werkstatt, ich meine laienhafte Diagnose genannt, die geguckt, Einspritzung kaputt, das würde heute aber nichts mehr. Aber sie wollten es mir auch nochmal zeigen, haben die Abdeckung abgenommen, der Meister hat auch noch einen Blick geworfen, Anlassversuch, die Düse sei ja völlig locker. Düse angezogen, Motor lief.

Um 18 Uhr und somit 26 Stunden später und nur um 60 Euro und ein paar Nerven ärmer konnten wir die Fahrt fortsetzen.

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Jetzt könnte ich auch eine Schimpftirade loslassen. Aber sind wir nicht angekommen und ist uns nicht geholfen worden? Doch ist es. Vielleicht sollte man seine Erwartungen ab und zu etwas herunterschrauben.

Aber ab morgen versuche ich es dann nochmal mit dem Tagen vor der Fahrt.

Rückfahrt

Irgendwie muss ich das mit dem Bloggen im Camper Van nochmal anders organisieren, so wie das mit dem Kaffeekochen bei seniler Bettflucht. Klar könnte ich jetzt ums Auto rennen alle Türen auf und zuschlagen, aber das wäre jetzt auch nicht nett und der Sohn würde mir wohl die Freundschaft kündigen.

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Trotzdem hat sich die Idee, die ich mit dem Umbau im Kopf hatte, als Erfolg herausgestellt. Natürlich hakt es an der ein oder anderen Stelle, aber eben nichts, was mich oder den Sohn so wirklich stören würde. Und vieles ist noch besser als gedacht. Ja es gibt auch noch Verbesserungbedarf. Aber das wird schon.

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Wenn ich jetzt hier etwas einsilbig bin, dann deshalb, weil Bloggen auf dem  Smarten  Phone eine Zumutung ist. Von daher: Wir fahren gleich nach Hause, Dienstag kommen wir wieder an, und ab Mittwoch  gibt’s dann die Aufbereitung der letzten Tage, versprochen.

Rottenburg (2) und Camper Van Reise (3)

Camper Van (3)

Montag musste ich dann nochmal in Richtung Rottenburg, Anschluss der Anlage, Übergabe an den Kunden und Schulung der Mitarbeiter, die sich in Zukunft darum kümmern.

Dienstag Mittag saß ich dann in einer bunten Runde in der Altstadt von Rottenburg, mit dabei der CEO von PTMatic, ein Italiener, der in der Schweiz wohnt, der Techniker von PTMatic, ein Rumäne, der in Italien arbeitet, mein Ansprechpartner vor Ort, ein aus Bosnien stammender Deutscher und ich. Die Arbeit war erledigt, dank der guten Zusammenarbeit früher als erwartet, und ich konnte die Zeit bis Mittwoch Abend mit noch schöneren Dingen füllen.

Kann das sein, dass das an Rottenburg liegt? Manchmal gibt es Zufälle.

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Jetzt hätte ich ganz hektisch zurück nach Hause fahren können, oder…

Der Camper Van lachte mich an, ich wollte schon immer mal ins Deutsche Musikautomaten Museum nach Bruchsal, das Wetter war traumhaft, also ab in Richtung Bruchsal.

Unvorbereitet wie ich war, habe ich mir mit dem Finger auf google maps einen Standor für die Nacht ausgesucht, den Fähranleger von Leopoldshafen nach Leimersheim direkt am Rhein. Vor Ort angekommen: Ein Traum!!!

Rhein bei Karlsruhe
Rhein bei Karlsruhe

Eins meiner Ziele, auf der nicht existierenden Liste mit dem Camper Van, war eine Nacht am Rhein, zum Einschlafen der Klang der Rheinschiffe, Morgens ein Blick aus dem Fenster auf den Fluss. Perfekt.

Stromaufwärts war noch eine schöne, etwas zurückliegende Fläche, die mir ideal erschien, deren Betreten aber wasserpolizeilich verboten ist. Und als guter Deutscher habe ich mich auch daran gehalten, das war mir dann doch etwas zu wildes Campen. Die Anwohner, die Abends vorbei kamen, um zu sehen, ob der Rhein noch da sei, hat das nicht gestört hat. Die sind fleißig mit ihren Autos darauf gefahren.

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Spontan und unvorbereitet ist mit so einem Camper ja das, was mir im Kopf herum schwebt. Wenn es sich gerade ergibt, kann man das ja, und das ist ja auch das schöne daran.

Manchmal ist aber das Hirn einschalten auch nicht schlecht. Die Mücken tanzen so schön in der Abendsonne, sie wurden immer mehr und ich habe noch einen kleinen Abendspaziergang am Wasser gemacht.

Abendstimmung über dem Rhein, was sonst
Abendstimmung über dem Rhein, was sonst …

Der Gang wurde mit der Zeit aber immer schneller, weil immer mehr Mücken ankamen, ja schon fast über mich herfielen, wenn ich mal kurz stehen blieb. Also bin ich fast im Stechschritt zurück ins Auto und Tür zu. Hatte ich nicht mal was gelesen, dass in der Gegend systematisch gegen die Mückenplage vorgegangen wird, gerade in diesen schönen Auen?

Ein paar Mücken, oder auch ein paar mehr
Ein paar Mücken, oder auch ein paar mehr

7 erschlagene Mücken später konnte ich ruhig schlafen, trotzdem ein wundervoller Ort.

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Der Morgen, so wie ich ihn mir vorgestellt hatte, die Sonne schien auf das gegenüberliegende Ufer, die Luft frisch und die Schiffe glänzten im Morgenlicht.

... und noch die Morgenstimmung ..
… und noch die Morgenstimmung ..

Aber dann wurde es laut. Innerhalb von 20 Minuten luden 5 Sattelschlepper einen riesen Berg an Bruchsteinen genau an der Stelle ab, die ich am Vorabend dann doch nicht genommen hatte.

... mit einer kurzen Störung.
… mit einer kurzen Störung.

Es hilft dann doch, Schilder zu lesen und sich dran zu halten. Das wäre sonst ein lustiges Erwachen geworden.

Aber danach war alles wieder ruhig, ich konnte schön frühstücken, mich fertig machen und war dann auch noch im Museum. 

So soll das sein.

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Noch was ist mir aufgefallen:

Seitdem ich das Auto umgebaut habe, hat sich meine Einstellung dazu komplett geändert. Früher ging es mir immer darum, möglichst schnell von A nach B zu kommen. Also jetzt nicht wirklich schnell, aber Pausen mochte ich nicht so sehr, ankommen war angesagt. 

Jetzt ist das eine neue Form des Reisens. Mal zwischendurch anhalten, einen Kaffee kochen, was zu Essen machen. Es ist halt was anderes, ob man nur einen großen Laderaum hat, oder doch mit seiner kleinen gemütlichen Wohnküche unterwegs ist. Ich find’s erstaunlich, was ein paar Bretter und ein Teppich ausmachen können.

… dann kann er was erleben

Ich hab’ ja mit den Niederlanden ein Problem: Ich sprech’ kein Niederländisch. Und nur weil viele meinen, die Holländer könnten doch alle Deutsch, das sei doch eh nur ein Dialekt, schließe ich mich dem nicht an.

Also Englisch.

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Erster Kontakt: eine italienische Eisbude, auf Englisch, in den Niederlanden. Bestellt habe ich zwei Hörnchen mit je 2 Kugeln, im einen 2 x Schoko im anderen 2 x Strawberry Cheesecake. Bekommen haben wir nach dem mehrfachen Hinweis auf 2 Kugeln je ein Hörnchen mit einer Kugel. Aber das Eis war gut.

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400 m weiter ein französisches Café, eine Apfelschorle und ein Cappuccino. Die Apfelschorle hatte schon so eine komisch orange Farbe, was in den Niederlanden ja schon mal sein kann, war dann aber kein Apple Fizz sondern ein Aperol Spritz, kann ja mal passieren, besonders wenn ein 15 jähriger sich das bestellt.

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Abends dann auf dem Weg zum Stellplatz noch Pizza gekauft, eine Prosciutto (EUR 7,75) und eine Mista (EUR 8,25) sollten zusammen EUR 25,50 kosten. Nein, der Karton kostete nicht extra, aber sie meinte je 2 Pizzen verstanden zu haben. Kommt zwar auch rein rechnerisch nicht hin, aber vielleicht sahen wir auch so verhungert aus.

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Soll ich für’s nächste Mal vielleicht doch noch Niederländisch lernen, oder Italienisch und Französisch, oder ist mein Englisch so schlecht?

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Am zweiten Tag hat sich dann der Bus auf dem Weg in die Utrechter Innenstadt verfahren, aber das lag bestimmt nicht an mir, ich habe nämlich den Mund gehalten und bin schweigend eingestiegen.

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Noch ein paar Fotos?

Ich hab keine Auswahl getroffen. Guckt Euch an, was Euch gefällt, ihr dürft auch alle anschauen.

Klick macht groß und bis demnächst bekomme ich das auch mit einer Slideshow hin, versprochen.

Wenn einer eine Reise tut …

Abendstimmung

Für das, was ich von Donnerstag bis Samstag erleben durfte, fehlen mir noch immer die Worte. Und auch die Auswahl der Bilder fällt schwer und braucht noch ein bisschen Zeit.

Die emotionslose Kurzfassung würde lauten:

  • Donnerstag Anreise nach Utrecht, kurz einen Platz an der Hollandse Ijssel gesichert, dann noch einen Kurzbesuch von Utrecht und die Nacht prima im Camper geschlafen.
  • Freitag Frühstück im Camper und dann langsam wieder nach Utrecht, Besuch des Museum Speelklok, danach ans und entlang des Markermeers bis nach Lelystad, kurz Einkaufen, Sonnenuntergang über dem Meer.
  • Samstag wieder entspanntes Frühstück, dann über den Markerwaarddijk, entlang der Küste, über den Afsluitdijk und zurück nach Hause.

Und die emotionale?

Museum Speelklock
Museum Speelklok

Blick aufs Markermeer
Blick aufs Markermeer

Unser Standplatz
Unser Standplatz

Sonnenuntergang am 21.06.2019
Sonnenuntergang am 21.06.2019

Nix gephotoshoped, einfach 1:1.

Ein Traum hat sich erfüllt. Alles, was ich mir gewünscht hatte, mit dem Camper machen zu können, ist in Erfüllung gegangen oder sogar noch übertroffen worden. Und auch der Sohn war begeistert und will sowas jetzt am liebsten jeden Monat machen.

Demnächst mehr, jetzt muss ich das noch ein bisschen sacken lassen.