Enfin, les vacances

Das Meer ist noch da.

Schon die letzten beiden Jahre haben wir die Fahrt in den Cotentin,  von uns aus so 850 km, in zwei Etappen gemacht. Einerseits ist das viel entspannter als früh morgens hektisch abzufahren, den ganzen Tag hinter dem Lenkrad und abends nur noch platt anzukommen, zum anderen haben wir auch noch einen fast geschenkten zusätzlichen Tag. Dieses Jahr ging das natürlich mit dem Camper Van noch viel bequemer, weil wir nicht quer auf den puckeligen Sitzen schlafen mussten.

Freitag bin ich ja erstmal nach Düsseldorf, um den Sohn einzusammeln, und von da aus, nach ein bisschen Quatschen, einem Teechen und den üblichen Verzögerungen, so gegen halb 5 losgefahren. Mit dem Boot auf dem Trailer fährt sich das ja auch nicht so schnell, man könnte auch sagen noch langsamer, aber mit einbrechender Nacht waren wir schon kurz hinter Rouen.

Es gibt bestimmt romantischere Stellplätze, aber auf der Durchreise hat es auch ein Autobahnparkplatz getan, wenigstens lag der ein Stück abseits. Morgens noch 2 Stündchen Fahrt.

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Als erstes mal ans Meer, ja, war noch da und gleich ab ins Wasser, wir nur mit den Füßen, die Jungs komplett mit anschließendem Sandbad.

Das Sandmonster
Das Sandmonster

 

Dann noch frisches Brot, Pain Chocolat, Tartelette aux Fraises, das Leben kann schön sein.

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Und gestern dann der erste Trödel in Le Vast.

Ich liebe französische Trödelmärkte. Da wird wirklich noch viel an altem Kram verkauft, der nicht mehr gebraucht wird oder der irgendwie geerbt wurde und dann echt billig verkauft wird. Für uns hieß das ein neuer gusseiserner Fondue Topf für 10 Euro, zwei Kerzenständer aus Zinn für 6 Euro und ein Satz Messer mit echten Horngriffen für 3 Euro.

Schnäppchen

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Mal sehen, was heute so kommt, es sind ja Ferien.

Tag (0) – Gentlemen, start your engines!

J'aime le Cotentin

Also habe ich es doch wieder geschafft, trotz dieser 1000 Kleinigkeiten.

Ich hatte ja extra einen Testlauf des Aussenborders gemacht. Nur auf dem Ständer nutzt mir der ja auch nix, der muss ja ans Boot. Und dann hing die eine Flügelschraube. Rostlöser – warten – 2. Versuch – weiter warten – 3. Versuch – Flügel abgebrochen.

So werkzeuglose Montagehilfen aus Plastik sind ja echt ne tolle Sache. Wenn die kaputt gehen, hat man kein Problem den Rest mit einer Zange auch noch abzubrechen und dann mal mit Werkzeug einen neuen Versuch zu starten. Also Engländer heraus geholt, zwei Mal wackeln und die Schraube war lose.

Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert.

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Wer sich jetzt als nicht so Werkzeug affiner Mensch fragt, wieso ich einen Engländer gebraucht habe um die Schraube zu lösen, dem sei gesagt, dass das nix mit dem Brexit zu tun hat. Da böte sich zwar jetzt die Möglichkeit einiger schöner Lästereien zwischen Brexit und festhängenden Schrauben an, aber lassen wir das.

Ich bin auch nicht der Meinung, dass man unbedingt wissen muss, dass das Gliedermaßstab heißt und nicht Zollstock, oder Innensechskant anstelle von Inbus oder (in Werkstätten als besonders beliebte Lachnummer) Imbus. 

Aber die Nummer mit dem Engländer finde ich schon ganz lustig. Ob die stimmt, weiß ich aber auch nicht. Angeblich heißt dieser verstellbare Schraubenschlüssel (Rollgabelschlüssel) nämlich nur hier auf dem Kontinent Engländer, in England und den USA aber Franzose, wobei der wieder noch ein Maul auf der anderen Seite hat.

Namensgebend soll aber der Umstand sein, dass im englischsprachigen Raum zöllige Schrauben üblich sind, auf die keine metrischen Schraubenschlüssel passen und auf dem Kontinent eben metrische, auf die die zölligen Werkzeuge wieder nicht passen. Und damit lösen dann die Franzosen die englische Muttern mit dem Engländer und die Engländer die französischen Schrauben mit dem Franzosen.

Eigentlich gehört das wohl in die Kategorie “Nutzloses Wissen”, ich finde das aber gar nicht so nutzlos.

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2016 – ….

Seit 2016 wohnen wir jetzt in den Ferien in Teurthévile-Bocage, im Hammeau Gosselin. In dem Weiler leben nur unsere Vermieter und deren Sohn mit Familie. Der Sohn betreibt jetzt deren Hof mit den Kühen und baut auf den Ackerflächen das komplette Futter für die gut 100 Tiere selbst an. Die leben auf einer großen Wiese mit angrenzendem Stall, wo sie nach eigenem Gutdünken zum Melken und Fressen kommen können oder eben den Tag im Freien auf der Weide verbringen.

Das ist jetzt da nochmal eine Schüppe drauf auf die Verbundenheit zu der Gegend, weil auch in den Ferien natürlich der Betrieb weiter läuft, mit allem was dazu gehört.

Kuhtrieb am Morgen vertreibt, na Ihr wisst schon
Kuhtrieb am Morgen vertreibt, na Ihr wisst schon

Und die Vermieter wohnen direkt vis-a-vis, bringen mal einen Salat, was Cidre oder auch Eier aus eigener “Produktion” vorbei und man redet. Der Sohn und ich, wir sind ja mittlerweile nur noch zu zweit unterwegs, fühlen uns da sauwohl.

Und die Gummipelle ist einem kleinen Holzboot gewichen, das ich vor zwei Jahren gebaut habe.

Mit dem Boot nach Tatihou
Mit dem Boot nach Tatihou
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Jetzt geht’s los.

Abfahrt
Abfahrt

Tag (-1) – Licht am Ende des Tunnels

Panorama La Hougue

Eins fehlt mir ja dieses Jahr noch bei der Urlaubsvorbereitung. Die letzten Jahre habe ich eigentlich immer an den letzten Tagen morgens nach dem Aufstehen auf der Terrasse gesessen und meinen Kaffee da getrunken. Das war zwar meist jetzt auch nicht so warm, dass ich es nur da ausgehalten hätte, aber es waren auch nicht nur die aktuellen 13°.

Nein, ich will jetzt nicht in das Horn der Dumpfbacken stoßen, die bei den aktuell mal etwas unterdurchschnittlichen Temperaturen von -1 K  im nördlichen Teil Deutschlands gleich von Herbst schreiben. Es ist mir nur gerade aufgefallen.

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Statler und Waldorf sind wie immer unzufrieden. Der eine wäscht sein Auto auf seinem Grundstück und der andere entsorgt seine Gartenabfälle hier in der Schonung. Aber trotzdem meinen Sie die Nachbarschaft, die hier eigentlich sehr gut ist, mit ihren Intrigen auf den guten Deutschen Weg bringen zu müssen.

Eine Nachbarin von gegenüber bekommt eigentlich regelmäßig Besuch vom Schiedsmann, weil mal wieder ein Grashalm über die Grundstücksgrenze hängt oder Sie angeblich einen Baum zu nah an selbiger gepflanzt habe, der sich dann aber nur als Blumentopf entpuppt.

Gestern war ich dann mal wieder mit den Hunden dran.

Vor ein paar Jahren war dieser wirklich sehr nette Schiedsmann schon mal da gewesen, weil die Jungs zu laut waren. Und damit meine ich jetzt alle Jungs, weil der Sohn mit seinem Freund im Garten mit denen gespielt hatte. Seit dem achte ich darauf, dass die nicht länger als 10 Minuten  am Stück und 30 Minuten am Tag bellen. Wenn die das tatsächlich täten, ginge mir das selber auf die Nerven. Der Sohn bellt seit dem gar nicht mehr.

Diesmal hatten sie angeblich vor 6 Uhr morgens gebellt. Da mein Wecker eigentlich erst um 6:10 Uhr klingelt muss ich jetzt mal ein ernstes Wort mit den Hunden reden, weil die sich doch nicht einfach meine Schlüssel nehme und rausgehen können, ohne mich zu vorher zu fragen. 

Und nein, ich habe mir meinen Wecker heute nicht auf 6 Uhr gestellt, um die Jungs dann mit dem Ball als Bellgarantie rauszuschicken und ich stehe auch nicht mit der Stoppuhr da und animiere sie 9:59 Minuten lang zum Bellen, auch wenn der GEdanke kurz aufkam.

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Geburtstagsgeschenk Teil 2 ist gestern auch noch gekommen, für die Jungs habe ich jetzt eine Trennwand in den Fußraum des Autos eingebaut, damit die nicht immer in der Transportkiste reisen müssen, der Quirl am Boot läuft auch, die Wäsche ist trocken geworden, also eigentlich alles perfekt.

Gestern fiel dem Sohn noch ein, dass der Klappspaten, ein zwingendes Zubehör zum Staudammbau, seine klappende Funktion nach 20 treuen Dienstjahren im letzten Urlaub eingestellt hatte. Also musste noch schnell ein neuer her, der soll aber heute noch kommen.

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Wanderjahre trifft es. Das erste Jahr haben wir noch für eine Woche ein kleines Häuschen gefunden. Das Problem war, dass der Sohn in die Schule musste, die Absage wieder mal recht knapp kam und das ganze ja auch irgendwie bezahlbar beleiben sollte. So in der Kategorie ab 1000 Euro die Woche wären zwar einige schöne Objekte noch frei gewesen, aber…

Das Jahr drauf wurden wir dann noch weiter im Landesinneren fündig. Zwei wunderschöne Wochen mit eigenem kleinen Hinterhof zum Boulespielen, einem Brunnen mit Schwengelpumpe für den Sohn und funktionstüchtigem offenen Kamin. Das Problem war nur, dass die Vermieter die Vermarktung ab dem nächsten Jahr dann in die Hände einer deutschen Agentur gegeben hatten, womit die Miete mal eben um schnuckelige 65% auf 680 Euro die Woche gestiegen war.

Also zogen wir weiter und wurden bei Nadine und Patrick in Le Vast für die nächsten Jahre fündig. Auch mit Kamin, die Wohnung noch schöner aufgeteilt, einen kleinen Garten hinten dran und noch den Hinterhof zum Boulespielen. 

Was mir in den Jahren ein bisschen verloren gegangen war, das war dieser Kontakt zum normalen Leben. Die Häuschen waren alle sehr schön im englischen Landhausstil eingerichtet (in Frankreich) und spielten einem diese heile Touristenwelt vor. Mir fehlte der Kontakt zu den Vermietern und zu den Nachbarn, die wollten ja alle dieses ruhige Touristenidyll nicht stören.

Aber ich bin doch eigentlich kein Tourist mehr! Beim Metzger und beim Bäcker werde ich mit Handschlag begrüßt, ich weiß wo es den besten Käse und Fisch gibt, ich kenne viele Lebensgeschichten der Leute und habe deren Kinder groß werden sehen. Und da soll ich mich gestört fühlen, wenn die Vermieter zum Quatschen vorbei kommen?

Aber trotzdem haben wir schöne Urlaube verbracht, ganz in der Familientradition hielt ein Schlauchboot Einzug, der Sohn hat seinen ersten Fisch geangelt und gegessen und das Wasser war genauso kalt wie in all den Jahren zuvor.

Kleiner Mann mit großem Fisch
Kleiner Mann mit großem Fisch

Aber die Zeiten haben sich da geändert, auch mit dem Mieten. Früher reichte ein Anruf oder wir haben bei der Abfahrt gesagt, wann wir nächstes Jahr kommen. Heute malt zuerst, wer zuerst kommt. Und so war dann auch 2016 wieder jemand schneller als wir.

 

 

Tag (-2) – Chaostage – aber nicht in Hannover

Blick auf Tatihou

Das schöne, wenn man dann anfängt zu packen, ist ja das anfängliche Chaos. Da helfen  auch die Listen nix mehr. Das ist wie eine Rolle mit Kordel, die ist ordentlich aufgewickelt, man zieht dran und sie verknotet sich. Aber vielleicht geht das ja auch nur mir so.

– Wäsche
Wer packen will, der muss vorher die Wäsche auch waschen und vor allem trocknen! Trockner hab’ ich nicht, aber einen Raumluftentfeuchter, der jetzt im Bad vor den Wäscheständern steht. Wer konnte denn erwarten, dass genau in dieser Woche das Wetter zum Trocknen nicht geeignet ist.
Jetzt steht also schon eine halb angefangene Kiste mit Klamotten da, Rest folgt später.

– Küchenkiste:
Super Idee, wenn das mit der Wäsche schon nix ist, dann doch die Küchenutensilien schon mal zu packen. Muss ja nicht am letzten Tag sein, ich kann mir ja immer noch was zu Essen improvisieren, der Sohn ist ja nicht da (Lotterhaushalt!).
Nur dann viel mir auf, dass ich dafür noch was vom Aldi brauche, also:

– Einkaufen bei Aldi
Es gibt bestimmt Sachen, die nehm’ ich mit in Urlaube, sowas wie Mineralwasser, Waschmittel, Küchentücher, Sonnenblumenöl für die Fritteuse, Grillkohle und auch Klopapier (französischen Klopapier ist einfach furchtbar). Der Einkauf war schnell erledigt, aber ob der Sohn noch eine Aufladung für sein Telefon brauchte, viel mir erst nachher ein.

– Küchenkiste fertig packen
Das war doch wenigstens mal was :-), also zum Teil. Abends hab’ ich sie wieder ausgepackt, weil mir der Schaumlöffel fehlte.

– Auto startklar machen:
Die Scheiben mal von innen reinigen, einmal durchsaugen, sowas halt. Und dann kam der Paketbote mit meinem Geburtstagsgeschenk Teil 1, das wollte dann doch noch begutachtet werden.

So Tage gehen wahnsinnig schnell vorbei. Kurz nicht aufgepasst und schon ist es 15 Uhr.

Ich hab’ dann aber ‘nen Rappel bekommen und die Bude wenigstens mal ein bisschen  wieder in Richtung Ordnung geschubst, ging ja so überhaupt nicht, alle Kisten im Weg. Auch wieder wie bei den Knoten an der Kordel, erst zupft man noch dran und bekommt wenigstens ein bisschen was abgerollt, aber dann hilft nur noch Entknoten.

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Nach der Europawahl ist gestern dann tatsächlich Ursula von der Leyen   zur Kommisionpräsidentin gewählt worden. Da haben wohl bei McKinsey die Korken ein zweites Mal geknallt.

Wird die Gorch Fock jetzt zum Flagschiff Europas?

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Erstaunlicherweise kann ich mich an die Jahreszahl unseres “Umzuges” nicht mehr erinnern. eigentlich ja näher dran, aber trotzdem.

Die neue Bleibe hatten wir durch einen Tipp eines befreundeten Lehrerehepaars aus Quettehou bekommen. Wir sollten es doch mal bei Varins versuchen. Glücklicherweise war keiner von uns mehr an die Schulferien gebunden, und so machten wir in dem Jahr im September Ferien, was sich in den darauffolgenden Jahren auch so fortsetzte. Grund dafür war, dass immer mehr Leute die Schönheit der Gegend entdeckt hatten, die Ferienhäuser aber fast nicht mehr geworden waren. Meistens handelte es sich dabei eben um alte Häuschen, die zum Vermieten hergerichtet wurden.

Bei Varins waren wir gut aufgehoben. Und dieser Luxus!!! Eine echte Dusche, eine Spülmaschine, Backofen mit Drehspieß und genug Platz. Aber zum ersten Mal seit 1974 mussten wir zum Strand fahren. Die Wohnung lag im Landesinneren, also so ca. 5 km vom Wasser weg, genau hier. Das war jetzt aber auch nicht mehr das Problem, weil wir mittlerweile mit 2 Autos unterwegs waren, zum Teil sogar 3 Karren am Start hatten. Und das zwingende “Ich will jetzt aber an den Strand, eine Sandburg bauen” hatte sich so ziemlich erledigt.

Unser Vermieter, ich würde sagen ein Naturphilosoph, war früher Schweinezüchter gewesen und hatte das Haus aus einer Ruine neu aufgebaut. Unten wohnten er und seine Frau, oben wir. Der Reiz dieses Fleckchens Erde besteht in den noch intakten Hecken, die die Weiden und Felder eingrenzen. Rechts und links der sehr schmalen Straßen ragen diese völlig wilden Hecken aus allem was so wächst 4 oder 5 Meter hoch und werden nur von dem Trecker in Schach gehalten, der auch die Randstreifen mäht.

La vache normande
La vache normande

Gestern habe ich geschrieben, dass ich durch das Cap meine zweite Heimat gefunden habe. Heute sage ich, am Perron habe ich mich in der Gegend verwurzelt. Anders als am Meer direkt bekam ich hier das normale alltägliche Leben in diesem Landstrich mit. Wie der Bauer im Weiler nebenan jeden Tag seine Kühe auf die Wiese und Abends wieder zum melken in den Stall trieb, wie die Felder bestellt wurden , normales Leben eben.

Einmal sind wir im Winter in der Nacht vom 30. auf den 31 Dezember eingeschneit. War das ein Fußmarsch, um noch was für das Silvesteressen zu bekommen! Der Schnee lag bestimmt 40 cm hoch und wir sind mit Tee und Rum bewaffnet durch den Schnee gestapft.

Und so vergingen auch diese Jahre, die ersten noch mit meinen Eltern, dann mit der Freundin, die zur Frau wurde und zum Schluss zu dritt mit dem Sohn.  Und es hieß wieder Sandburgen bauen, oder besser gesagt Staudämme. Das Wasser, was bei Ebbe so aus dem Strand sickert und sich um die kleinen Felsen zu Rinnsalen vereinigt, lässt sich super aufstauen und irgendwann bricht der Damm. Herrliches Spiel, auch für Papas.

Als der Vermieter starb und die Familie das Haus ein Jahr später verkaufen wollte, begann wieder die Zeit der Wanderschaft, das war 2010.

Tag (-3) – Back to the roots – also fast

Le Cap de Montfarville

Alle Pakete sind gepackt und stehen an der Haustür! Alle Paket? Nein ein kleines nicht-gallisches Dorf meinte heute noch was bestellen zu müssen. Eigentlich hatte auch er die Vorwarnung und Nachfrage bekommen, bestellt und auch seine Lieferung schon erhalten. Aber jetzt fehlt halt noch was im Lager, und ein neues Etikett braucht er auch noch. Wie gut, dass ich mein eigener Druide bin, also mische ich ihm noch eine Potion Magique und schicke sie ihm, bevor er mich aus den Sandalen haut wie Obelix einen Römer.

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Ansonsten heißt es jetzt Konzentration auf die to-do’s. Die Liste ist noch lang, aber es sind ja noch 3 Tage.  Als erstes hieß das gestern mal die Metro-Kisten sauber machen. Da es mich ja weniger interessiert, was ein Auto unter der Haube hat, und mehr, was hinten in die Klappe passt, verreise ich sehr gerne mit so Kisten. Die lassen sich im Auto prima stapeln, die Wäsche liegt da super drin und der restliche Kram findet auch seinen Platz, perfekt.

Wobei ich ja sagen muss, dass ich die letzten 2 Jahre mit dem Sohn alleine viel weniger mitgenommen habe als früher. Also man kann es eben auch alles übertreiben, mit dem großen Kofferraum. Dafür hängt jetzt noch ein Anhänger am Auto, aber da ist das Bötchen drauf.

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Pünktlich zum 2-monatigen Bestehen des Blogs hat haben Maximilian und Christian gestern einen Pingback (also eine Link zurück auf meinen Artikel, in dem ich seinen erwähnt hatte) gesetzt und mir den Tag mit den bisher höchsten Besucherzahlen beschert. Was mich daran besonders freut, dass damit gerade dieser Beitrag, an dem mir viel liegt, eine höhere Verbreitung gefunden hat und zum meistgelesenen geworden ist.

Danke!

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Aber mal weiter mit dem Rückblick und dem Versuch verständlich zu machen, warum ich seit so langer Zeit immer in der selben Ecke Urlaub mache.

1977 – Anfang 90er Jahre

Es kehrte ein wenig Ruhe in die Urlaubsplanung ein, das Ziel hieß immer Cap de Montfarville. Die Vermieter waren jetzt die Nichte der Soeur Sauvage und ihr Mann. Er war ein renommierter Hufschmied aus Lisieux, der Anfangs nur am Wochenende da war, mit feinsten Klamotten anrauschte und stellenweise die Besitzer der teuersten Pferde Frankreichs im Schlepptau hatte. Sein Renommee hatte er sich erworben, in dem er in der Lage war, gespaltene Hufe heilen zu können. und er hatte ein Auge für den Gang von Pferden. Und Chevalier de la Legion d’Honneur war er auch, für seine Tätigkeit in der Résistance. Aber das war ihm uns gegenüber ein bisschen peinlich, weil wir ja auch Deutsche seien und er uns gut leiden konnte.

Einige Jahre später ging er in Rente, tauschte seine feinen Klamotten gegen einen Blaumann und ging fortan mit seinem Boot fischen. Aber immer noch wurden ihm vereinzelt Pferde gebracht, die leichte Gangungenauigkeiten hatten und denen er mit viel Gucken und wenig und gezieltem Feilen an den Hufen helfen konnte.

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Mit der Zeit wurden aus unseren 4 Wochen 6, und meist kamen auch noch die Weihnachtsferien dazu. Das Haus wurde nur noch an uns vermietet, womit wir einiges an Sachen gleich da lassen konnten.

Die Felseninsel vor der Bucht wurde ein beliebtes Ziel für uns mit dem Schlauchboot, da man von da aus wunderbar Angeln konnte. Die Fische, in erster Linie Lippfische, waren zwar wegen ihrer unzähligen Gräten nicht essbar, aber zu so mancher Fischsuppe hat es gereicht.

So mit ca. 14/15 Jahren bekam ich dann vom Vermieter sein Beiboot für den Sommer geliehen, das ich intensiv zum Angeln und für längere und sicherere Ausfahrten nutzen konnte.  Alles natürlich mit Muskelkraft, weil das Boot nur über Riemen verfügte.

Aber ich wurde auch mit auf die Regatta in Barfleur genommen, weniger um zu Helfen und mehr um die Trimmung des großen Bootes zu verbessern. Das war zwar sicher gebaut, aber nicht unbedingt das schnellste. Damit gewann es immer, wenn das Meer mal nicht so ruhig war. Trotzdem haben mir gerade diese Fahrten Respekt vor dem Wasser verschafft, denn wenn die Wellen rechts und links von einem höher sind, als man gucken kann, dann ist das schon ein komisches Gefühl.

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Ich glaube diese Jahre waren es, die die Gegend zu meiner zweiten Heimat gemacht haben. Wir lernten unglaublich viele Leute dort kennen, seien es die Einheimischen oder auch Touristen, die jedes Jahr kamen, und wir fühlten uns einfach nur wohl. Ich denke die schönsten Momente meiner Kinder und Jugendzeit habe ich dort erlebt.

Aber auch die schönste Zeit hatte mal ein Ende, als der Sohn des Vermieters seinem Vater den Hof quasi unter dem Hinter weg verspekulierte und ihn ins Altenheim abschob. Unser zweiter unerwarteter Auszug vom Cap, diesmal aber nur 6 Wochen vor unseren Ferien. Aber durch die vielen Bekannten in der Gegend haben wir doch wieder was gefunden.

Tag (-4) – Fertig werden

Blick auf Le Rivage

Sonntagsarbeit soll zwar keinen Segen bringen, aber irgendwann muss ich ja mal fertig werden. Also ging es gestern ab in den Keller, Flaschen drehen. Und weil der Arbeit dann doch mehr war und der Lust weniger, habe ich den Rest auf heute früh verschoben.

Die passenden Umkartons sollten sowieso erst Freitag verschickt worden sein und heute ankommen. Dann hätte ich eh erst morgen abholen lassen können, aber wie mir eine Mail heute morgen mitteilte, sind die wohl erst heute in den Versand gegangen. Das wird mir jetzt ein bisschen knapp, also muss ich tricksen und andere Kartons nehmen.

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Passt jetzt hier nicht so rein, aber youtube meinte gestern, das müsse ich mir ansehen. Stimmte. Nur gebt dem Stück mindestens 2 Minuten, weil da geht das erst richtig los:

Mit Andy Haderer hatte ich das Vergnügen vor vielen Jahren mit der CSM-Big-Band zusammen (und mit Mr. Fat Man Boogie  Peter Herbolzheimer als Gast-Leiter) musizieren und ein bisschen Zeit verbringen zu dürfen. Eine prägennde Erfahrung mit einem bemerkenswerten Menschen.

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Und die Uhr noch weiter zurück gedreht:

Eigentlich wollten wir ’75 auch wieder ans Cap, hatten auch schon gemietet, aber das wurde wieder abgesagt. Meine Eltern sind dann im Frühjahr mit dem R4 über ein Wochenende dahin gefahren, um ein neues Quartier zu suchen.

Gefahren? Ja, da war in der Gegend noch nix mit Tourismus und die Liste der mietbaren Ferienhäuser bestand aus einer handgeschriebenen Liste, die man im Syndicat d’Initiative des jeweiligen Dorfes als Hektographie bekommen konnte. Übernachtet haben sie auch im Auto, aber nicht so komfortabel, wie ich das heute kann.

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Auf jeden Fall hatten wir dann eine Bleibe, in der wir auch das nächste Jahr gemietet haben. Hatte ich gestern gesagt, dass unser Haus am Cap nah am Strand war, das hier war direkt am Strand und nur bei Ebbe mit dem Auto erreichbar, weil die letzt 100 m ging es direkt über den Strand: Ein ehemaliges Strandcafé in Morsalines. Ab und zu klopften dann auch noch Besucher an,  die hier einen Kaffee oder ein Bier trinken wollten.

Bei Flut reichte das Wasser bis an die geschlossene Terrasse und mit etwas Wind klatsche es auch schon mal beim Essen an die Fenster. Die ganze Bucht läuft bei Ebbe leer, wodurch man aber auch bei Flut schon 20 m weit laufen muss, bis das Wasser einem an den Knien steht.

Blick in die Baie de Morsalines
Blick in die Baie de Morsalines

In den zwei Jahren haben wir auch unser erstes Schlauchboot bekommen, so eine 2 1/2 Personen Gummipelle zum Rudern. Und mein Papa hat uns damit durch die ganze Bucht gerudert, einmal sogar mit aufkommendem Nebel, bei dem man nicht mehr wusste, in welche Richtung es jetzt weiter ging. Und wir hatte von meiner Omi so ein ganz ganz kleines aufblasbares Kinderkanu. Mit dem habe ich mich dann mal alleine auf den Weg gemacht. Und auch wenn das Wasser da flach ist, kann ich heute besser verstehen, wie sich meine Eltern damals gefühlt haben, als sie mich haben paddeln sehen. Aber wenigstens gab es keine Steine, Felsen oder sonstiges, also wegen der Knie.

Und wir haben die ersten Schatzkarten vom alten Seeräuber Willi Flint gefunden, die von da ab ein paar Jahre lang immer mal wieder ganz zufällig auftauchen, mal in einer Flaschenpost, in einer “antiken” Schublade  oder sonstwo, teilweise genau an meinem Geburtstag. Und immer haben wir die Schätze dazu gefunden.

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Aber nach ’76 wollte der Hausbesitzer dann doch lieber selbst in dem Haus leben und die Suche ging wieder los.

Tag (-5) – Was ich schaffe, schaffe ich, aber auch nicht mehr

Le Cap de Montfarville

Ich hatte ja vorgestern gesagt, dass ich eigentlich gestern schon noch was darüber schreiben wollte. Aber da war mir ein anderes Thema dazwischen gekommen, soviel dann auch zum Thema Planung.

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Also mal im Schnelldurchlauf:

Freitag – Sohn zur Schule, Sohn abholen, bisschen was arbeiten (zu wenig) und dann Essen gegangen. La Mandolina, ein Steakhaus, dessen Füllstand umgekehrt proportional zur Qualität war. Ach so, es war relativ leer und wir nachher satt.

Samstag – Erst gebloggt (statt zu arbeiten) und dann den Sohn zu Omma und Oppa gebracht und länger da geblieben als geplant (und nicht gearbeitet). Muss ja auch mal sein. Und weil ich ja 50 werde (stimmt ja, fast vergessen), schon einen großen Wunsch erfüllt bekommen, den ich im Urlaub schon nutzen kann, mir aber noch selber bestellen sollte. Hab’ ich noch getan (und nicht gearbeitet). Den Sohn sammele ich Freitag auf der Fahrt noch wieder ein.

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Bis vor ein paar Jahren habe ich in den letzten Tagen vor dem Urlaub immer noch versucht die Welt zu retten. Egal was kam, irgendwie musste das noch mit reingepröfft werden. Und auf den letzten Stipp wurde es dann mehr als eng. Manchmal habe ich noch bis spät abends gearbeitet, um dann am nächsten Morgen um 5 Uhr aufzustehen und zu fahren.

Mensch war ich da busy!!!

Ich habe mir das abgewöhnt. Einerseits durch eine bessere Planung 🤣. Ich habe geschrieben “bessere” nicht “gute” oder “sehr gute” (s.o.).

Aber ich werde auch nicht jünger und schlafen auf der Autobahn, also hinterm Steuer und irgendwo zwischen den Leitplanken, nicht auf dem Parkplatz, ist jetzt auch nicht so gesund. Außerdem bin ich weiser geworden.

Aber mal Spaß beiseite.  Wenn ich mir die letzten Tage vor dem Urlaub immer noch mit irgendwas vollgestopft habe (und auch habe vollstopfen lassen), wurde die Qualität meiner Tätigkeit bzw. deren Ergebnisse nicht unbedingt besser. Und  auch die Urlaubsvorbereitung hat darunter gelitten. Damit stand ich dann kurz vor dem Herzinfarkt, die Kunden haben teils die falsche Ware bekommen und ich hatte dann doch nicht das mit, was ich mitnehmen wollte. Und meiner Umgebung bin ich damit auch auf den Sack gegangen.

Mittlerweile fahre ich meine Arbeitsaktivitäten zum Urlaub hin systematisch herunter, fange schon mal an zu packen und zu planen und frage mich regelmäßig, was ich noch schaffe und was nicht. Rechtzeitig erkannt verschiebe ich dann unwichtigeres bewusst auf nach dem Urlaub und konzentriere mich auf das, was noch passieren muss. Denn auch die mickrigen 2 Wochen Auszeit will ich genießen.

Mal sehen, wie das dieses Jahr klappt.

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Hab ich geschrieben mickrige 2 Wochen? Früher haben wir 4 oder auch 6 Wochen gemacht. Das war Erholung!

Ja, früher (war … aber ich zitiere nicht schon wieder Karl Valentin).

Nach 1972 und 1973 in Yport haben wir dann 1974 ferienmäßig umgesiedelt in den Nord-Cotentin, ans Cap de Montfarville. Diese Bucht war für uns Kinder der Hammer.

Erstens gab es hier nach Vaucottes Sandstrand. Das hat mir viele blutige Knie erspart, wenn auch nicht alle. Durch den hohen Tiedenhub in der Gegend wurde der Strand täglich überspült. Bei Ebbe ist das Wasser aber auch nicht zu weit weg. Und ein paar Felsen und eine Felseninsel, die bei Ebbe zum Vorschein kamen, gab es da auch. Also mit ein bisschen Übung ging das dann auch wieder mit den blutigen Knien.

Zum anderen war aber auch der Strand nur eine wenig befahrene Straßenbreite vom Haus entfernt. Das war nicht nur für uns Kinder toll, auch meine Eltern mussten nicht alles von der Wohnung bis an den Strand schleppen, was man so für den Tag brauchte. Man konnte schnell mal eben was holen. Toll.

Waschen ging entweder in der Küche oder an einem Waschbecken in der ersten Etage, duschen unterm Schlauch im Hinterhof, wo auch das Klohäuschen stand, aber schon mit Wasserspülung.

Die Vermieter waren die Sœur Sauvage, die mit ihrem Bruder das mittlere Haus im Hof bewohnten. Der Bruder war früher Fischer gewesen, die Schwestern hatten sich um den Verkauf gekümmert. Als wir einmal Nachmittags noch Fisch kaufen fahren wollten, da meinte er nur, der wäre doch nicht mehr frisch, die Flut sei doch schon 3 Stunden her …

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Morgen dann mehr zu den Jahren ’75 und ’76.

Tag (-7) – Modus Tunnelblick einschalten und Listen schreiben

Étretat

Nächsten Freitag ist es soweit, wir zwei fahren in Urlaub. Damit beginnt für mich die Scheuklappen- und Tunnelblick-Zeit. Ich muss jetzt zusehen, dass alles was ansteht bis dahin erledigt ist.

Für mich ist das die Zeit der Listen: lange Listen, viele Listen, bunte Listen, Listen mit Sachen die ich nicht vergessen darf einzupacken, Einkaufslisten, to-do-Listen, eine Wochenplanungsliste (ja, das heißt Kalender, aber ich bin jetzt einmal bei Listen).

Eigentlich bräuchte ich auch noch Meta-Listen und eine Meta-Meta-Liste um die Listen zu organisieren, so wie die zweiten und dritten Gedanken bei Tiffany Weh.

Ich versuche ja immer alles sofort aufzuschreiben, wenn es mir einfällt. Und ich nehme mir auch immer vor, die Liste für’s nächste Jahr schon im Urlaub  anzufangen, weil genau da ja auffällt, was fehlt. Vergesst es, habe ich noch nie gemacht, werde ich nie machen, vielleicht in meinem nächsten Leben.

Und in einer Woche stehen auch noch Sachen auf den Listen, die ich nicht geschafft habe. Aber dazu morgen mehr.

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Heute hat der Sohn seinen letzten Schultag. Die erste Stunde fällt aus, also nur 2 Stunden bei der Klassenlehrerin mit Zeugnisausgabe.

Was mich in letzter Zeit immer wieder erstaunt, ist mit welchen Riesenschritten der Sohn gerade “groß” wird. Klar, steht im Kalender, Pubertät und so. Aber irgendwie, oder trotzdem, läuft das gerade unheimlich gut. Der schnappt sich sein endlich bekommenes Schokoticket und fährt Sonntags alleine zu Oma und Opa nach Düsseldorf, wird erschreckend gut in der Schule und überholt seinen Vater in manchen Bereichen rechts. Cool, und Papa ist stolz.

Der ist heute echt gespannt auf sein Zeugnis und seine Noten, ein paar weiß er ja schon, und entwickelt sowas wie Ehrgeiz. Das ist mir zu der Zeit völlig abgegangen. Klar wollte ich nicht pappen bleiben und mal eine gute Note hat mich auch gefreut, aber richtigen Ehrgeiz? Das ging mir ab.

Faszinierend für mich auch, mit welcher Leichtigkeit er das schafft! Die letzte Deutscharbeit zum Beispiel: Ich frag’ immer, ob wir da nochmal was durchgehen sollen, drüber reden. “Nöö, ich kann alles.”, und dabei hat er nicht einen Schlag zuhause getan. “Wie war die Arbeit?” – “Bin ich gut mit klargekommen.” Und dann schreibt er die beste Arbeit der Klasse. “Hab’ ich doch gesagt, dass ich alles kann.” Oha, Papa ist neidisch und, siehe oben, stolz.

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Wer sich jetzt fragt, wo es hingeht: in die Normandie, genauer gesagt in den Cotentin, Val de Saire, Department Manche (50), wie in den letzten 45 Jahren auch. O.K., ich glaube 2 Mal war ich im Sommer nicht da, 1988, als ich mit dem Zivildienst angefangen habe und nochmal während des Studiums. Und daher habe ich auch eigentlich immer meinen Geburtstag da gefeiert.

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Der Grundstein dafür wurde 1972 gelegt, da war ich mit meinen Eltern zum ersten Mal in Yport in der Nähe von Étretat.

So wahnsinnig viele Erinnerungen habe ich nicht mehr daran. Und ich kann auch nicht  sagen, ob das die eigenen Erinnerungen sind oder die Bilder aus den Erzählungen, an die ich mich erinnere. Aber es war schön da. Die hohen Kreidefelsen mit ihren Nasen ins Meer, die saftigen Wiesen bis an die Abbruchkante heran und die Steinstrände.

Mein Papa musste immer “Hinksteine” werfen, weil die für mich zu groß waren und wir zusammen Asterix gelesen haben. Ein Aufkleber mit Obelix zierte daher auch den Familien-R4.

Und in Vaucottes stellte sich immer die Frage, wo wir am Besten lagerten: Da, wo zuletzt ein Felssturz herunter gekommen war, sollte ja schon das lose Gestein unten liegen. Andererseits sollte da, wo noch nichts gefallen war, ja alles noch schön fest sein. Oder genau umgekehrt? Auf jeden Fall lebe ich noch und wir haben offensichtlich nichts fasch gemacht.

Qelle Titelfoto: Wikipedia