Tag (-3) – Back to the roots – also fast

Le Cap de Montfarville

Alle Pakete sind gepackt und stehen an der Haustür! Alle Paket? Nein ein kleines nicht-gallisches Dorf meinte heute noch was bestellen zu müssen. Eigentlich hatte auch er die Vorwarnung und Nachfrage bekommen, bestellt und auch seine Lieferung schon erhalten. Aber jetzt fehlt halt noch was im Lager, und ein neues Etikett braucht er auch noch. Wie gut, dass ich mein eigener Druide bin, also mische ich ihm noch eine Potion Magique und schicke sie ihm, bevor er mich aus den Sandalen haut wie Obelix einen Römer.

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Ansonsten heißt es jetzt Konzentration auf die to-do’s. Die Liste ist noch lang, aber es sind ja noch 3 Tage.  Als erstes hieß das gestern mal die Metro-Kisten sauber machen. Da es mich ja weniger interessiert, was ein Auto unter der Haube hat, und mehr, was hinten in die Klappe passt, verreise ich sehr gerne mit so Kisten. Die lassen sich im Auto prima stapeln, die Wäsche liegt da super drin und der restliche Kram findet auch seinen Platz, perfekt.

Wobei ich ja sagen muss, dass ich die letzten 2 Jahre mit dem Sohn alleine viel weniger mitgenommen habe als früher. Also man kann es eben auch alles übertreiben, mit dem großen Kofferraum. Dafür hängt jetzt noch ein Anhänger am Auto, aber da ist das Bötchen drauf.

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Pünktlich zum 2-monatigen Bestehen des Blogs hat haben Maximilian und Christian gestern einen Pingback (also eine Link zurück auf meinen Artikel, in dem ich seinen erwähnt hatte) gesetzt und mir den Tag mit den bisher höchsten Besucherzahlen beschert. Was mich daran besonders freut, dass damit gerade dieser Beitrag, an dem mir viel liegt, eine höhere Verbreitung gefunden hat und zum meistgelesenen geworden ist.

Danke!

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Aber mal weiter mit dem Rückblick und dem Versuch verständlich zu machen, warum ich seit so langer Zeit immer in der selben Ecke Urlaub mache.

1977 – Anfang 90er Jahre

Es kehrte ein wenig Ruhe in die Urlaubsplanung ein, das Ziel hieß immer Cap de Montfarville. Die Vermieter waren jetzt die Nichte der Soeur Sauvage und ihr Mann. Er war ein renommierter Hufschmied aus Lisieux, der Anfangs nur am Wochenende da war, mit feinsten Klamotten anrauschte und stellenweise die Besitzer der teuersten Pferde Frankreichs im Schlepptau hatte. Sein Renommee hatte er sich erworben, in dem er in der Lage war, gespaltene Hufe heilen zu können. und er hatte ein Auge für den Gang von Pferden. Und Chevalier de la Legion d’Honneur war er auch, für seine Tätigkeit in der Résistance. Aber das war ihm uns gegenüber ein bisschen peinlich, weil wir ja auch Deutsche seien und er uns gut leiden konnte.

Einige Jahre später ging er in Rente, tauschte seine feinen Klamotten gegen einen Blaumann und ging fortan mit seinem Boot fischen. Aber immer noch wurden ihm vereinzelt Pferde gebracht, die leichte Gangungenauigkeiten hatten und denen er mit viel Gucken und wenig und gezieltem Feilen an den Hufen helfen konnte.

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Mit der Zeit wurden aus unseren 4 Wochen 6, und meist kamen auch noch die Weihnachtsferien dazu. Das Haus wurde nur noch an uns vermietet, womit wir einiges an Sachen gleich da lassen konnten.

Die Felseninsel vor der Bucht wurde ein beliebtes Ziel für uns mit dem Schlauchboot, da man von da aus wunderbar Angeln konnte. Die Fische, in erster Linie Lippfische, waren zwar wegen ihrer unzähligen Gräten nicht essbar, aber zu so mancher Fischsuppe hat es gereicht.

So mit ca. 14/15 Jahren bekam ich dann vom Vermieter sein Beiboot für den Sommer geliehen, das ich intensiv zum Angeln und für längere und sicherere Ausfahrten nutzen konnte.  Alles natürlich mit Muskelkraft, weil das Boot nur über Riemen verfügte.

Aber ich wurde auch mit auf die Regatta in Barfleur genommen, weniger um zu Helfen und mehr um die Trimmung des großen Bootes zu verbessern. Das war zwar sicher gebaut, aber nicht unbedingt das schnellste. Damit gewann es immer, wenn das Meer mal nicht so ruhig war. Trotzdem haben mir gerade diese Fahrten Respekt vor dem Wasser verschafft, denn wenn die Wellen rechts und links von einem höher sind, als man gucken kann, dann ist das schon ein komisches Gefühl.

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Ich glaube diese Jahre waren es, die die Gegend zu meiner zweiten Heimat gemacht haben. Wir lernten unglaublich viele Leute dort kennen, seien es die Einheimischen oder auch Touristen, die jedes Jahr kamen, und wir fühlten uns einfach nur wohl. Ich denke die schönsten Momente meiner Kinder und Jugendzeit habe ich dort erlebt.

Aber auch die schönste Zeit hatte mal ein Ende, als der Sohn des Vermieters seinem Vater den Hof quasi unter dem Hinter weg verspekulierte und ihn ins Altenheim abschob. Unser zweiter unerwarteter Auszug vom Cap, diesmal aber nur 6 Wochen vor unseren Ferien. Aber durch die vielen Bekannten in der Gegend haben wir doch wieder was gefunden.

Tag (-4) – Fertig werden

Blick auf Le Rivage

Sonntagsarbeit soll zwar keinen Segen bringen, aber irgendwann muss ich ja mal fertig werden. Also ging es gestern ab in den Keller, Flaschen drehen. Und weil der Arbeit dann doch mehr war und der Lust weniger, habe ich den Rest auf heute früh verschoben.

Die passenden Umkartons sollten sowieso erst Freitag verschickt worden sein und heute ankommen. Dann hätte ich eh erst morgen abholen lassen können, aber wie mir eine Mail heute morgen mitteilte, sind die wohl erst heute in den Versand gegangen. Das wird mir jetzt ein bisschen knapp, also muss ich tricksen und andere Kartons nehmen.

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Passt jetzt hier nicht so rein, aber youtube meinte gestern, das müsse ich mir ansehen. Stimmte. Nur gebt dem Stück mindestens 2 Minuten, weil da geht das erst richtig los:

Mit Andy Haderer hatte ich das Vergnügen vor vielen Jahren mit der CSM-Big-Band zusammen (und mit Mr. Fat Man Boogie  Peter Herbolzheimer als Gast-Leiter) musizieren und ein bisschen Zeit verbringen zu dürfen. Eine prägennde Erfahrung mit einem bemerkenswerten Menschen.

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Und die Uhr noch weiter zurück gedreht:

Eigentlich wollten wir ’75 auch wieder ans Cap, hatten auch schon gemietet, aber das wurde wieder abgesagt. Meine Eltern sind dann im Frühjahr mit dem R4 über ein Wochenende dahin gefahren, um ein neues Quartier zu suchen.

Gefahren? Ja, da war in der Gegend noch nix mit Tourismus und die Liste der mietbaren Ferienhäuser bestand aus einer handgeschriebenen Liste, die man im Syndicat d’Initiative des jeweiligen Dorfes als Hektographie bekommen konnte. Übernachtet haben sie auch im Auto, aber nicht so komfortabel, wie ich das heute kann.

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Auf jeden Fall hatten wir dann eine Bleibe, in der wir auch das nächste Jahr gemietet haben. Hatte ich gestern gesagt, dass unser Haus am Cap nah am Strand war, das hier war direkt am Strand und nur bei Ebbe mit dem Auto erreichbar, weil die letzt 100 m ging es direkt über den Strand: Ein ehemaliges Strandcafé in Morsalines. Ab und zu klopften dann auch noch Besucher an,  die hier einen Kaffee oder ein Bier trinken wollten.

Bei Flut reichte das Wasser bis an die geschlossene Terrasse und mit etwas Wind klatsche es auch schon mal beim Essen an die Fenster. Die ganze Bucht läuft bei Ebbe leer, wodurch man aber auch bei Flut schon 20 m weit laufen muss, bis das Wasser einem an den Knien steht.

Blick in die Baie de Morsalines
Blick in die Baie de Morsalines

In den zwei Jahren haben wir auch unser erstes Schlauchboot bekommen, so eine 2 1/2 Personen Gummipelle zum Rudern. Und mein Papa hat uns damit durch die ganze Bucht gerudert, einmal sogar mit aufkommendem Nebel, bei dem man nicht mehr wusste, in welche Richtung es jetzt weiter ging. Und wir hatte von meiner Omi so ein ganz ganz kleines aufblasbares Kinderkanu. Mit dem habe ich mich dann mal alleine auf den Weg gemacht. Und auch wenn das Wasser da flach ist, kann ich heute besser verstehen, wie sich meine Eltern damals gefühlt haben, als sie mich haben paddeln sehen. Aber wenigstens gab es keine Steine, Felsen oder sonstiges, also wegen der Knie.

Und wir haben die ersten Schatzkarten vom alten Seeräuber Willi Flint gefunden, die von da ab ein paar Jahre lang immer mal wieder ganz zufällig auftauchen, mal in einer Flaschenpost, in einer “antiken” Schublade  oder sonstwo, teilweise genau an meinem Geburtstag. Und immer haben wir die Schätze dazu gefunden.

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Aber nach ’76 wollte der Hausbesitzer dann doch lieber selbst in dem Haus leben und die Suche ging wieder los.

Tag (-5) – Was ich schaffe, schaffe ich, aber auch nicht mehr

Le Cap de Montfarville

Ich hatte ja vorgestern gesagt, dass ich eigentlich gestern schon noch was darüber schreiben wollte. Aber da war mir ein anderes Thema dazwischen gekommen, soviel dann auch zum Thema Planung.

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Also mal im Schnelldurchlauf:

Freitag – Sohn zur Schule, Sohn abholen, bisschen was arbeiten (zu wenig) und dann Essen gegangen. La Mandolina, ein Steakhaus, dessen Füllstand umgekehrt proportional zur Qualität war. Ach so, es war relativ leer und wir nachher satt.

Samstag – Erst gebloggt (statt zu arbeiten) und dann den Sohn zu Omma und Oppa gebracht und länger da geblieben als geplant (und nicht gearbeitet). Muss ja auch mal sein. Und weil ich ja 50 werde (stimmt ja, fast vergessen), schon einen großen Wunsch erfüllt bekommen, den ich im Urlaub schon nutzen kann, mir aber noch selber bestellen sollte. Hab’ ich noch getan (und nicht gearbeitet). Den Sohn sammele ich Freitag auf der Fahrt noch wieder ein.

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Bis vor ein paar Jahren habe ich in den letzten Tagen vor dem Urlaub immer noch versucht die Welt zu retten. Egal was kam, irgendwie musste das noch mit reingepröfft werden. Und auf den letzten Stipp wurde es dann mehr als eng. Manchmal habe ich noch bis spät abends gearbeitet, um dann am nächsten Morgen um 5 Uhr aufzustehen und zu fahren.

Mensch war ich da busy!!!

Ich habe mir das abgewöhnt. Einerseits durch eine bessere Planung 🤣. Ich habe geschrieben “bessere” nicht “gute” oder “sehr gute” (s.o.).

Aber ich werde auch nicht jünger und schlafen auf der Autobahn, also hinterm Steuer und irgendwo zwischen den Leitplanken, nicht auf dem Parkplatz, ist jetzt auch nicht so gesund. Außerdem bin ich weiser geworden.

Aber mal Spaß beiseite.  Wenn ich mir die letzten Tage vor dem Urlaub immer noch mit irgendwas vollgestopft habe (und auch habe vollstopfen lassen), wurde die Qualität meiner Tätigkeit bzw. deren Ergebnisse nicht unbedingt besser. Und  auch die Urlaubsvorbereitung hat darunter gelitten. Damit stand ich dann kurz vor dem Herzinfarkt, die Kunden haben teils die falsche Ware bekommen und ich hatte dann doch nicht das mit, was ich mitnehmen wollte. Und meiner Umgebung bin ich damit auch auf den Sack gegangen.

Mittlerweile fahre ich meine Arbeitsaktivitäten zum Urlaub hin systematisch herunter, fange schon mal an zu packen und zu planen und frage mich regelmäßig, was ich noch schaffe und was nicht. Rechtzeitig erkannt verschiebe ich dann unwichtigeres bewusst auf nach dem Urlaub und konzentriere mich auf das, was noch passieren muss. Denn auch die mickrigen 2 Wochen Auszeit will ich genießen.

Mal sehen, wie das dieses Jahr klappt.

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Hab ich geschrieben mickrige 2 Wochen? Früher haben wir 4 oder auch 6 Wochen gemacht. Das war Erholung!

Ja, früher (war … aber ich zitiere nicht schon wieder Karl Valentin).

Nach 1972 und 1973 in Yport haben wir dann 1974 ferienmäßig umgesiedelt in den Nord-Cotentin, ans Cap de Montfarville. Diese Bucht war für uns Kinder der Hammer.

Erstens gab es hier nach Vaucottes Sandstrand. Das hat mir viele blutige Knie erspart, wenn auch nicht alle. Durch den hohen Tiedenhub in der Gegend wurde der Strand täglich überspült. Bei Ebbe ist das Wasser aber auch nicht zu weit weg. Und ein paar Felsen und eine Felseninsel, die bei Ebbe zum Vorschein kamen, gab es da auch. Also mit ein bisschen Übung ging das dann auch wieder mit den blutigen Knien.

Zum anderen war aber auch der Strand nur eine wenig befahrene Straßenbreite vom Haus entfernt. Das war nicht nur für uns Kinder toll, auch meine Eltern mussten nicht alles von der Wohnung bis an den Strand schleppen, was man so für den Tag brauchte. Man konnte schnell mal eben was holen. Toll.

Waschen ging entweder in der Küche oder an einem Waschbecken in der ersten Etage, duschen unterm Schlauch im Hinterhof, wo auch das Klohäuschen stand, aber schon mit Wasserspülung.

Die Vermieter waren die Sœur Sauvage, die mit ihrem Bruder das mittlere Haus im Hof bewohnten. Der Bruder war früher Fischer gewesen, die Schwestern hatten sich um den Verkauf gekümmert. Als wir einmal Nachmittags noch Fisch kaufen fahren wollten, da meinte er nur, der wäre doch nicht mehr frisch, die Flut sei doch schon 3 Stunden her …

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Morgen dann mehr zu den Jahren ’75 und ’76.

Das überlaufende Glas, der Sohn und ich

Überlaufendes Glas mit Wasser

Christian hat gestern ein Thema aufgegriffen, das Maximilian schon mit eine Link zu einem Artikel in der Kölnischen Rundschau angerissen hatte.

Eigentlich wollte ich heute was anderes schreiben (über Tag (-6) und den Urlaub), aber das kratzt jetzt doch an einer bei mir ganz wunden Stelle. Damit ist das  kein ausgewogener Artikel, sondern nur meine Meinung zu dem Thema und meine eigene Handlungsweise. 

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Ja, ich habe auch mal Lehramt studiert, Physik und Chemietechnik, und nein, ich bin nicht Lehrer geworden. Christian schrieb so schön:

Aber beides – sowohl die Verlagerung von Lernzeit an die Eltern als auch die Verlagerung von Erziehungsaufgaben an die Schule – ist erstmal einfach nur eine Veränderung. 
(Und eigentlich auch eine logische: Es gibt halt morgens nur eine bestimmte Zahl von Stunden in der Schule und wenn da die Aufgaben mehr werden, dann fliegt halt vom bisherigen Inhalt raus. Man kann ja auch volle Wassergläser nicht weiter füllen, ohne dass was raus fließt.)

Das, was dabei heraus kommt, also bei der Verlagerung von Lernzeit an die Eltern, kann man Selektion nennen. Denn die einen Schüler kommen mit den wenigen Stunden klar, andere bekommen Hilfe zuhause und der Rest kippt eben über die Kante. Für die Meinung habe ich schon im Studium ein ganzes Seminar gegen mich aufgebracht. Und die Problematik ist es, deretwegen ich dann nicht Lehrer geworden bin.

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Der Sohn hat ja beim Thema Fein- und Graphomotorik einen Sonderpädagogischen Förderbedarf, nach überlebter Hirnhautentzündung im Alter von ein paar Monaten. Ich will jetzt nicht auch noch das Thema Inklusion hier mit reinholen, aber das ist schon wichtig zu wissen. Auch wichtig ist, was seine Motopädin gesagt hat: Sein bester Verbündeter ist die Zeit.

Aber ganz komme ich an dem Thema Inklusion doch nicht vorbei, weil bei Ihm das Glas nicht kleiner ist und das Wasser auch nicht. Aber er braucht eben zum Schreiben viel mehr Zeit, gerade von Hand, und es ist eine zusätzliche Aufgabe für Ihn. Die Diskussion zum Schreiben mit dem Laptop habe ich schon n-Mal geführt, zuletzt mit dem Ergebnis, dass jetzt aber erwartet wird, dass er mit dem Laptop so schnell schreibt, wie ein nicht motorisch eingeschränkter Mensch im 10 Finger System. Auch nicht viel besser, aber wenigstens kann man jetzt einfacher lesen, was er schreibt.

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Aber zurück:  Das Wasser, das nicht am Vormittag in das Glas gepasst hatte, wurde ihm bis zum Anfang der vierten Klasse am Nachmittag eingetrichtert, stundenlang und fast bis zur Überforderung. Das war der Punkt, an dem ich mich aus meiner Rolle herausbewegt habe, die Anke Willers in dem Artikel auch kritisiert:

Die Folge: Um den Kindern zu helfen, reduzieren viele Mütter ihre Jobs, arbeiten über lange Jahre Teilzeit. Letztendlich trägt die Schulkultur so dazu bei, dass wir unsere eigenen beruflichen Ziele nicht so richtig verfolgen können – und sie zementiert traditionelle Rollenbilder.

Ich habe meinen Job reduziert, mit der Klassenlehrerin geredet und dem Sohn Nachmittags den Druck genommen und ihm mehr Zeit gegeben. Wir zwei haben das damals “Die neue Entspanntheit” genannt. Ich habe ihn von der Schule abgeholt, wir haben viel geredet, auch ein bisschen was gemacht, aber in Maßen, die für ihn vertretbar waren. Ich habe das Pensum einfach reduziert.

Zugegeben, ich habe auf seine Fähigkeiten spekuliert und eben auf die Zeit. Das tolle bei Ihm ist, das er damit eine ganz andere Kultur des Lernens entwickelt hat. Nicht durch das für ihn sehr hemmende und damit sinnlose Abschreiben von etwas lernt er, oder durch das x-fache Wiederholen von Aufgaben ähnlicher Richtung, sondern ganz anders. Er saugt den Stoff im Unterricht einfach auf, speichert ihn ab. Fragt mich jetzt aber nicht, wie er das macht, ich kann es nicht erklären.

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Jetzt, fast 5 Jahre später und ohne Sitzenbleiben oder einen frühzeitigen Burnout, zeigen sich die Früchte, dass ich Ihm auf diesem Weg den Rücken gestärkt und auch freigehalten habe. Der Zeugnisdurchschnitt von knapp 2,2 ist einer der besten in der Klasse und ich bin unendlich Stolz auf Ihn. Und ein bisschen Stolz auch auf mich.

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Um an den Anfang zurück zu kommen: Wäre es nicht toll, wenn Schule wieder Individualität zulassen würde, natürlich mit der entsprechenden “Ausstattung” an Lehrerinnen und Lehrern, und zwar nicht nach dem Motto “Jeder kann mit seiner Geschwindigkeit das Thema bearbeiten, hauptsache am Ende des Schuljahrs/Halbjahrs/der Woche/des Tages muss es fertig sein”?

Und wäre es nicht auch toll, wenn man die “eigenen beruflichen Ziele” in dieser Gesellschaft nicht über die Erziehung unserer Kinder stellen würde und zum Teil auch müsste? Ich persönlich fühle mich für die Entwicklung meines Sohnes verantwortlich und sehe das auch als wichtiger an, als das Erreichen beruflicher Ziele. Sonst hätte ich auch kein Kind haben wollen.

Tag (-7) – Modus Tunnelblick einschalten und Listen schreiben

Étretat

Nächsten Freitag ist es soweit, wir zwei fahren in Urlaub. Damit beginnt für mich die Scheuklappen- und Tunnelblick-Zeit. Ich muss jetzt zusehen, dass alles was ansteht bis dahin erledigt ist.

Für mich ist das die Zeit der Listen: lange Listen, viele Listen, bunte Listen, Listen mit Sachen die ich nicht vergessen darf einzupacken, Einkaufslisten, to-do-Listen, eine Wochenplanungsliste (ja, das heißt Kalender, aber ich bin jetzt einmal bei Listen).

Eigentlich bräuchte ich auch noch Meta-Listen und eine Meta-Meta-Liste um die Listen zu organisieren, so wie die zweiten und dritten Gedanken bei Tiffany Weh.

Ich versuche ja immer alles sofort aufzuschreiben, wenn es mir einfällt. Und ich nehme mir auch immer vor, die Liste für’s nächste Jahr schon im Urlaub  anzufangen, weil genau da ja auffällt, was fehlt. Vergesst es, habe ich noch nie gemacht, werde ich nie machen, vielleicht in meinem nächsten Leben.

Und in einer Woche stehen auch noch Sachen auf den Listen, die ich nicht geschafft habe. Aber dazu morgen mehr.

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Heute hat der Sohn seinen letzten Schultag. Die erste Stunde fällt aus, also nur 2 Stunden bei der Klassenlehrerin mit Zeugnisausgabe.

Was mich in letzter Zeit immer wieder erstaunt, ist mit welchen Riesenschritten der Sohn gerade “groß” wird. Klar, steht im Kalender, Pubertät und so. Aber irgendwie, oder trotzdem, läuft das gerade unheimlich gut. Der schnappt sich sein endlich bekommenes Schokoticket und fährt Sonntags alleine zu Oma und Opa nach Düsseldorf, wird erschreckend gut in der Schule und überholt seinen Vater in manchen Bereichen rechts. Cool, und Papa ist stolz.

Der ist heute echt gespannt auf sein Zeugnis und seine Noten, ein paar weiß er ja schon, und entwickelt sowas wie Ehrgeiz. Das ist mir zu der Zeit völlig abgegangen. Klar wollte ich nicht pappen bleiben und mal eine gute Note hat mich auch gefreut, aber richtigen Ehrgeiz? Das ging mir ab.

Faszinierend für mich auch, mit welcher Leichtigkeit er das schafft! Die letzte Deutscharbeit zum Beispiel: Ich frag’ immer, ob wir da nochmal was durchgehen sollen, drüber reden. “Nöö, ich kann alles.”, und dabei hat er nicht einen Schlag zuhause getan. “Wie war die Arbeit?” – “Bin ich gut mit klargekommen.” Und dann schreibt er die beste Arbeit der Klasse. “Hab’ ich doch gesagt, dass ich alles kann.” Oha, Papa ist neidisch und, siehe oben, stolz.

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Wer sich jetzt fragt, wo es hingeht: in die Normandie, genauer gesagt in den Cotentin, Val de Saire, Department Manche (50), wie in den letzten 45 Jahren auch. O.K., ich glaube 2 Mal war ich im Sommer nicht da, 1988, als ich mit dem Zivildienst angefangen habe und nochmal während des Studiums. Und daher habe ich auch eigentlich immer meinen Geburtstag da gefeiert.

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Der Grundstein dafür wurde 1972 gelegt, da war ich mit meinen Eltern zum ersten Mal in Yport in der Nähe von Étretat.

So wahnsinnig viele Erinnerungen habe ich nicht mehr daran. Und ich kann auch nicht  sagen, ob das die eigenen Erinnerungen sind oder die Bilder aus den Erzählungen, an die ich mich erinnere. Aber es war schön da. Die hohen Kreidefelsen mit ihren Nasen ins Meer, die saftigen Wiesen bis an die Abbruchkante heran und die Steinstrände.

Mein Papa musste immer “Hinksteine” werfen, weil die für mich zu groß waren und wir zusammen Asterix gelesen haben. Ein Aufkleber mit Obelix zierte daher auch den Familien-R4.

Und in Vaucottes stellte sich immer die Frage, wo wir am Besten lagerten: Da, wo zuletzt ein Felssturz herunter gekommen war, sollte ja schon das lose Gestein unten liegen. Andererseits sollte da, wo noch nichts gefallen war, ja alles noch schön fest sein. Oder genau umgekehrt? Auf jeden Fall lebe ich noch und wir haben offensichtlich nichts fasch gemacht.

Qelle Titelfoto: Wikipedia

Rottenburg (2) und Camper Van Reise (3)

Camper Van (3)

Montag musste ich dann nochmal in Richtung Rottenburg, Anschluss der Anlage, Übergabe an den Kunden und Schulung der Mitarbeiter, die sich in Zukunft darum kümmern.

Dienstag Mittag saß ich dann in einer bunten Runde in der Altstadt von Rottenburg, mit dabei der CEO von PTMatic, ein Italiener, der in der Schweiz wohnt, der Techniker von PTMatic, ein Rumäne, der in Italien arbeitet, mein Ansprechpartner vor Ort, ein aus Bosnien stammender Deutscher und ich. Die Arbeit war erledigt, dank der guten Zusammenarbeit früher als erwartet, und ich konnte die Zeit bis Mittwoch Abend mit noch schöneren Dingen füllen.

Kann das sein, dass das an Rottenburg liegt? Manchmal gibt es Zufälle.

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Jetzt hätte ich ganz hektisch zurück nach Hause fahren können, oder…

Der Camper Van lachte mich an, ich wollte schon immer mal ins Deutsche Musikautomaten Museum nach Bruchsal, das Wetter war traumhaft, also ab in Richtung Bruchsal.

Unvorbereitet wie ich war, habe ich mir mit dem Finger auf google maps einen Standor für die Nacht ausgesucht, den Fähranleger von Leopoldshafen nach Leimersheim direkt am Rhein. Vor Ort angekommen: Ein Traum!!!

Rhein bei Karlsruhe
Rhein bei Karlsruhe

Eins meiner Ziele, auf der nicht existierenden Liste mit dem Camper Van, war eine Nacht am Rhein, zum Einschlafen der Klang der Rheinschiffe, Morgens ein Blick aus dem Fenster auf den Fluss. Perfekt.

Stromaufwärts war noch eine schöne, etwas zurückliegende Fläche, die mir ideal erschien, deren Betreten aber wasserpolizeilich verboten ist. Und als guter Deutscher habe ich mich auch daran gehalten, das war mir dann doch etwas zu wildes Campen. Die Anwohner, die Abends vorbei kamen, um zu sehen, ob der Rhein noch da sei, hat das nicht gestört hat. Die sind fleißig mit ihren Autos darauf gefahren.

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Spontan und unvorbereitet ist mit so einem Camper ja das, was mir im Kopf herum schwebt. Wenn es sich gerade ergibt, kann man das ja, und das ist ja auch das schöne daran.

Manchmal ist aber das Hirn einschalten auch nicht schlecht. Die Mücken tanzen so schön in der Abendsonne, sie wurden immer mehr und ich habe noch einen kleinen Abendspaziergang am Wasser gemacht.

Abendstimmung über dem Rhein, was sonst
Abendstimmung über dem Rhein, was sonst …

Der Gang wurde mit der Zeit aber immer schneller, weil immer mehr Mücken ankamen, ja schon fast über mich herfielen, wenn ich mal kurz stehen blieb. Also bin ich fast im Stechschritt zurück ins Auto und Tür zu. Hatte ich nicht mal was gelesen, dass in der Gegend systematisch gegen die Mückenplage vorgegangen wird, gerade in diesen schönen Auen?

Ein paar Mücken, oder auch ein paar mehr
Ein paar Mücken, oder auch ein paar mehr

7 erschlagene Mücken später konnte ich ruhig schlafen, trotzdem ein wundervoller Ort.

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Der Morgen, so wie ich ihn mir vorgestellt hatte, die Sonne schien auf das gegenüberliegende Ufer, die Luft frisch und die Schiffe glänzten im Morgenlicht.

... und noch die Morgenstimmung ..
… und noch die Morgenstimmung ..

Aber dann wurde es laut. Innerhalb von 20 Minuten luden 5 Sattelschlepper einen riesen Berg an Bruchsteinen genau an der Stelle ab, die ich am Vorabend dann doch nicht genommen hatte.

... mit einer kurzen Störung.
… mit einer kurzen Störung.

Es hilft dann doch, Schilder zu lesen und sich dran zu halten. Das wäre sonst ein lustiges Erwachen geworden.

Aber danach war alles wieder ruhig, ich konnte schön frühstücken, mich fertig machen und war dann auch noch im Museum. 

So soll das sein.

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Noch was ist mir aufgefallen:

Seitdem ich das Auto umgebaut habe, hat sich meine Einstellung dazu komplett geändert. Früher ging es mir immer darum, möglichst schnell von A nach B zu kommen. Also jetzt nicht wirklich schnell, aber Pausen mochte ich nicht so sehr, ankommen war angesagt. 

Jetzt ist das eine neue Form des Reisens. Mal zwischendurch anhalten, einen Kaffee kochen, was zu Essen machen. Es ist halt was anderes, ob man nur einen großen Laderaum hat, oder doch mit seiner kleinen gemütlichen Wohnküche unterwegs ist. Ich find’s erstaunlich, was ein paar Bretter und ein Teppich ausmachen können.

Blackout und eine der 1000 Fragen

Telefonkabel

Wenn das Internet oder das Telefon nicht funktionieren, komme ich mir manchmal vor, als würde mir ein Arm fehlen. Plötzlich bin ich vom Informatiosfluss abgeschnitten, an den ich mich so sehr gewöhnt habe.

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Vor einigen Jahren war unsere Telefonleitung gestört, aber nicht so, dass das mal eben repariert werden konnte. Ja, ich meine dieses komischen Kupferkabel, an denen dann merkwürdige altmodische Kästen hängen, so mit Telefonhörer oder Modems.

Der Techniker kam nach einer Woche, und gab schon beim Öffnen der Tür die Diagnose: “Geht immer so an und aus, oder?” – “Ja.” – “Hab’ ich mir gedacht, ich messe auch nochmal, aber da kann ich nix dran machen, da muss ein Bautrupp kommen”.

Der Bautrupp kam nach einem Monat, hat gemessen, versucht die Pläne downzuloaden, was aber in einem Funkloch nicht so richtig funktioniert, ist weggefahren, kam mit 2 Transportern zurück, hektisch entspanntes Gearbeite. Ergebnis: Die Leitung in der Straße war defekt. “Da muss die Straße aufgemacht werden, aber wir markieren schon mal die Stelle für die Bauarbeiten.” Und ich hatte gedacht, ein Bautrupp wäre genau dafür ausgerüstet, Fehleinschätzung.

Noch einen Monat weiter dann die Bauarbeiter und schwupp, hatten wir wieder Internet und Telefon. Klasse!

Blöd nur, wenn man einen Internet-Shop hat, kein Festnetz und eben ein Funkloch. Gut war natürlich, wenn auch unbequem, dass ich jederzeit zum Dienst fahren konnte, um da die Leitung glühen zu lassen. Und nein, damals hatte ich noch kein Smartphone.

Aber das soll jetzt hier auch kein Dienstanbieter-Bashing werden, der gleiche Ausfall Anfang diesen Jahres war innerhalb einer Woche behoben, das fand ich bemerkenswert!

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Jetzt muss ich mal kurz auf die Frage 106. vorgreifen. “Kannst Du eine Woche auf das Internet verzichten?”.

Kann ich. Und auch in meinen ersten ungefähr 29 Jahren habe ich ja ohne gelebt. Also eine bewusste Entscheidung, die nächste Woche ohne, klappt.

Will ich das? Jein.

Zum einen ist das Internet ja eine super Informationsquelle, wie ist das Wetter, wann macht was auf und zu, wie komm’ ich dahin, wo bekomme ich eigentlich dies oder jenes und was kostet das. Diese Informationen würden mir schon sehr fehlen.

Zum anderen ist es aber auch ein Kommunikationsweg: Messengerdienste, E-Mail, Blog. Die Kommunikation ist dadurch vielfältiger geworden und bequemer. Früher hieß das im Urlaub eine Telefonzelle suchen und anrufen. Oder Postkarten schreiben. Heute kann man schnell mal eben ein Bild schicken mit ein paar Sätzen dabei.

Ist die Kommunikation dadurch oberflächlicher geworden? Ja, wenn man das zulässt, aber darf man die Technik dafür bewerten, wie man sie nutzt, oder muss man sich schon an die eigene Nase fassen?

Diese ganzen bewussten Verzichtsnummern haben ja eigentlich immer so einen  leicht spirituellen Touch, von wegen Besinnung auf sich selbst und so. In den 60er/70er Jahren hat man dafür bewusstseinserweiternde Drogen genommen, heute schaltet man das Smartphone aus oder macht Heilfasten.

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Ich habe die Frage auch schon mal in der verschärften Variante gelesen: “Kannst Du ohne das Internet leben?”

Ich hätte eigentlich immer geantwortet “Klar, kann ich!”, aber wenn man genauer überlegt, wie viel im heutigen Leben davon abhängt, von der Infrastruktur, über Logistik bis hin zum Bankenwesen, dann frage ich mich, was passiert, wenn das Netz wirklich mal lahmgelegt wäre. Keine schöne Vorstellung.

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Dagegen war der Ausfall bei Facebook, Whatsapp und Instagram letzte Woche ja eine Lachnummer, auch wenn durch das damit ausgelöste Chaos mein Betrag von Mittwoch auf Donnerstag darin völlig untergegangen ist und bisher nur eine Leserin hatte. Und der hatte ich den Link direkt zugeschickt, aber auch nicht per Postkarte.

Kunst in Rottenburg

Rottenburg am Neckar

Die letzten beiden Tage war ich in Rottenburg am Neckar, um beim Aufbau einer unserer automatischen selbstreinigenden Toilettenanlagen dabei zu sein. Irgendwelche Links dazu erspare ich mir hier, das ist ja kein Werbeblog.

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Trotzdem möchte ich Euch über Künstler berichten, die ich dort getroffen habe. Und da komme ich nicht umhin, den Job ein wenig mit einzubeziehen.

Die Toilette steht jetzt dort direkt am Neckar. Davor geht nur noch ein Fußweg entlang und die Böschung am Ufer. Der Stahlbeton-Quader mit der eingebauten Technik wiegt 13 Tonnen und kam mit einem Sattelschlepper aus Italien. Nur konnte der Sattelschlepper aber auch nicht ansatzweise bis in die Nähe des Aufstellungsorts fahren, schon in dem davor liegenden schönen, alten und engen Ortskern wäre er stecken geblieben. Also wurde er vorher auf einen “kleinen” LKW umgeladen.

Dadurch war aber auch nicht mehr Platz, und die Anfahrt schon ein kleines Meisterstück, denn ein Kran wurde ja immer noch benötigt. Mein Kumpel Jean Luc Picard war gerade in einem anderen Quadranten des Universums unterwegs und auch die temporale Direktive durfte nicht verletzt werden. Beamen viel also aus.

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am Haken
am Haken

Meiner Meinung nach ist der Job, den die Arbeiter der Kranfirma vor Ort erledigt haben, eine oft unterbewertete Kunst. Auf so engem Raum mit schwerem Gerät die 13 Tonnen am Haken auf den Millimeter genau auf dem Fundament zu platzieren: Chapeau!

Millimeterarbeit
Millimeterarbeit

Da hat nicht einmal etwas geschwankt, es kam keine Hektik auf und es wurde einfach alles sehr professionell gehandhabt.

Salvinis “Schiffe Versenken”

Titelbild

Ich hab’ ja gestern noch Schiffe Versenken mit dem Sohn gespielt, auch wenn das zum momentanen Zeitpunkt vielleicht etwas unangemessen ist. Aber dabei ist mir eine Idee für ein neues Satire-Spiel gekommen.

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Salvinis “Schiffe Versenken”

Salvinis Schiffe versenken

Das Spiel ist ganz einfach, nur ein paar Papierbötchen falten und schwimmen lassen.  Wenn die Bötchen an den Schüsselrand kommen, müssen sie zurück in die Mitte geschoben werden. Wer als Erster die Bötchen des anderen hat von alleine untergehen lassen, gewinnt.

Salvinis Schiffe Versenken
Salvinis “Schiffe Versenken” – eins ist schon weg

Wer einmal gewinnt, wird zum ersten Commander Task Force Andrea G. des Spiels ausgerufen, beim zweiten Gewinn wird man der  Befehlshabers der EUropa-Operation   SOPVIEA Konteradmiral Enrico C. Endgültiger Gewinner ist, wer 3 Runden gewonnen hat. Dieser darf sich bis zum Ende des nächsten Spiels Matteo S. nennen und einen blauen Anzug mit weißem Hemd tragen. Der Verlierer muss an die Grenze zu Mexiko und sich am Mauerbau beteiligen.

Spieldauer ca. 15-30 Minuten, geeignet für junge und alte Populisten, ein Spaß für die ganze Familie

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Ich finde es traurig, dass erst durch die Festnahme der Kapitänin der Sea-Watch 3  sich der Fokus wieder ein bisschen auf die unhaltbare Flüchtlingssituation  im Mittelmeer richtet. Denn das Sterben auf dem Mittelmeer geht auch seit dem Abzug der Schiffe der Operation SOPHIA unverändert weiter.

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Es tröstet ein wenig, dass wenigstens die Italienische Justiz noch unabhängig zu sein scheint und die zusändige  Richterin Carola Rackete vorerst mit folgender Begründung auf freien Fuß gesetzt hat (Zitat aus einer E-Mail von openPetition mit einer Nachricht von Sea Watch) :

  1. Die Richterin verwarf den Vorwurf ‘Gewalt gegen Kriegsschiffe’ und vertrat die Auffassung, dass der Widerstand gegen Beamte “in Erfüllung einer Pflicht”–der Pflicht, Leben auf See zu retten–gerechtfertigt war.

  2. Die Richterin betonte, dass der Entschluss der Kapitänin der Sea-Watch 3, den Hafen von Lampedusa als nächsten „Place of Safety“ anzulaufen, notwendig war. Libyen & Tunesien könnten nicht als sichere Häfen angesehen werden.

  3. Darüber hinaus sei die neue Salvini-Verordnung “nicht auf Rettungseinsätze anwendbar”, da sie sich nur auf das Handeln von Schmugglern beziehe. Die Verordnung war kurz nach der Rettung am 12 Juni noch hastig vom italienischen Innenministerium in Kraft gesetzt worden.

Schiffe versenken und die mehr oder weniger 1000 Fragen (6)

Welle

Ja, gleich, aber vorher noch zwei schöne tolle gute, mir fehlt das richtige Adjektiv bei der Sache, Artikel, die Carmen und Frank haben heute verlinkt haben:

Abschiedskolumne: Der Untergang – SZ Magazin

Der Artikel ist übrigens ein Jahr alt und die Frontex hat ihre Schiffe weiter abgezogen. Lieber werden jetzt Schiffe eingesetzt um z.B. die Sea-Watch 3 vom Festmachen im Hafen von Lampedusa abzuhalten.

Wer sich ein bisschen mit dem Meer und der Seefahrt auskennt, würde niemals so handeln, wie es die italienischen Behörden momentan tun.

Der Postillon: Bademeister überlegt, ob er Ertrinkenden rettet oder ob das Schlepperei wäre

Ich frage mich ja, ob der zweite Artikel wirklich Satire ist, also das Mittel der Übertreibung nutzt, um Kritik zu üben, oder ob das nicht nur einfach die logische Weiterentwicklung dessen ist, was Salvini momentan mit Duldung (oder ist das nicht eigentlich schon Unterstützung) der EU mit den Bootsflüchtlingen auf dem Mittelmeer betreibt.

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Da ich aber heute echt Stress mit einer Lieferung für Freitag aus Italien hatte (irgendwie ist die 3 Tonnen schwerer als angekündigt, kommt deshalb mit einem Sattelschlepper, der aber nicht an den Aufstellungsort heran fahren kann und ich musste dann das Beamen organisieren) jetzt nur ein paar Antworten auf die weltbewegenden 1000 Fragen.

Und wie immer, hier ging’s los und hier gibt’s auch mehr Infos zu den Fragen.

70. Hast du viele Freunde?

Nö.

71. Welches Wort bringt dich auf die Palme?

Alternative Fakten.

72. Bist du schon jemals im Fernsehen gewesen?

Ich glaub‘, ich war mal ganz kurz bei irgendeiner Demo im Bild. Aber noch nicht im Dschungelcamp, in keiner Talkshow und RTL wollte auch noch keine Reality-Soap bei uns drehen.

73. Wann warst du zuletzt nervös?

Im Februar.

74. Was macht dein Zuhause zu deinem Zuhause?

Dass ich, wenn ich will, hinter mir die Tür zu machen kann, mir einen Cappuccino kochen kann und irgendwo einen Platz für eine Matratze finde. Wichtiger sind mir die Menschen, denen ich begegne.

Das ist wie in der Remy Martin Werbung aus den 80ern. „Einem Remy Martin ist es egal, wie er getrunken wird, nur nicht von wem.“

Darum fühl’ ich mich im Camper auch so wohl, wie bei mir in der Küche.

75. Wo informierst du dich über das Tagesgeschehen?

Hauptsächlich im Internet, Zeit, NZZ, Le Monde, dann noch ein bisschen Tagesschau etc.

Spannend finde ich ja, dass die nicht deutschen Medien einen ganz anderen Blick vermitteln, als die deutschen.

76. Welches Märchen magst du am liebsten?

Die „im Volk überlieferte Erzählung, in der übernatürliche Kräfte und Gestalten in das Leben der Menschen eingreifen und meist am Ende die Guten belohnt und die Bösen bestraft werden“ oder die „unglaubwürdige, [als Ausrede] erfundene Geschichte“ (Definition Duden)?

Bei ersteren muss ich lange nachdenken, weil die klassischen Märchen (Grimm etc.) nicht wirklich mein Ding sind. Das Märchen von Salvini, den der Blitz beim K…en trifft und Carola Rackete, die belohnt wird, läse ich aber gern (Sorry, aber mir geht das Thema im Moment nicht aus dem Kopf).

Zur zweiten Definition gibt es viele schöne Märchen, wie das von der sicheren Atomenergie, das von den Abgasnormen, das von den sicheren Renten, wobei mir da die amerikanischen CIA-Märchen noch am besten gefallen.

77. Was für eine Art von Humor hast du?

Wer hier liest, merkt das schon. Ich mag Torsten Sträter sehr, Terry Pratchett, und den Witz, der zwischen den Zeilen steht.

78. Wie oft treibst du Sport?

Selten, wobei ich mich auch hier wieder mit Wortklaubereien herausreden könnte und Motorsport (Autofahren), Bootssport (dazu gehören sogar Motorboote, weshalb die Trailer auch mit einem grünen Kennzeichen fahren können) und Boule nennen könnte.

79. Hinterlässt du einen bleibenden Eindruck?

Hahaha! Aber mit Sicherheit!

80. Auf welche zwei Dinge kannst du nicht verzichten?

Oha, die Frage habe ich schon oft gelesen mit sehr unterschiedlichen Antworten. Ich nehme Sie jetzt mal als Dinge im einfachsten Sinne, und lasse Personen und Dinge des alltäglichen Lebens (notwendige Lebensmittel und Hygieneartikel)  einfach mal weg.

Ein Kombinationsding wäre ein Cappuccino (Mokkakännchen, Kaffee, Wasser, Herdplatte, Topf, Milch, Zucker, Milchschäumer) und das andere mein Auto.