Tag (-7) – Modus Tunnelblick einschalten und Listen schreiben

Nächsten Freitag ist es soweit, wir zwei fahren in Urlaub. Damit beginnt für mich die Scheuklappen- und Tunnelblick-Zeit. Ich muss jetzt zusehen, dass alles was ansteht bis dahin erledigt ist.

Für mich ist das die Zeit der Listen: lange Listen, viele Listen, bunte Listen, Listen mit Sachen die ich nicht vergessen darf einzupacken, Einkaufslisten, to-do-Listen, eine Wochenplanungsliste (ja, das heißt Kalender, aber ich bin jetzt einmal bei Listen).

Eigentlich bräuchte ich auch noch Meta-Listen und eine Meta-Meta-Liste um die Listen zu organisieren, so wie die zweiten und dritten Gedanken bei Tiffany Weh.

Ich versuche ja immer alles sofort aufzuschreiben, wenn es mir einfällt. Und ich nehme mir auch immer vor, die Liste für’s nächste Jahr schon im Urlaub  anzufangen, weil genau da ja auffällt, was fehlt. Vergesst es, habe ich noch nie gemacht, werde ich nie machen, vielleicht in meinem nächsten Leben.

Und in einer Woche stehen auch noch Sachen auf den Listen, die ich nicht geschafft habe. Aber dazu morgen mehr.

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Heute hat der Sohn seinen letzten Schultag. Die erste Stunde fällt aus, also nur 2 Stunden bei der Klassenlehrerin mit Zeugnisausgabe.

Was mich in letzter Zeit immer wieder erstaunt, ist mit welchen Riesenschritten der Sohn gerade “groß” wird. Klar, steht im Kalender, Pubertät und so. Aber irgendwie, oder trotzdem, läuft das gerade unheimlich gut. Der schnappt sich sein endlich bekommenes Schokoticket und fährt Sonntags alleine zu Oma und Opa nach Düsseldorf, wird erschreckend gut in der Schule und überholt seinen Vater in manchen Bereichen rechts. Cool, und Papa ist stolz.

Der ist heute echt gespannt auf sein Zeugnis und seine Noten, ein paar weiß er ja schon, und entwickelt sowas wie Ehrgeiz. Das ist mir zu der Zeit völlig abgegangen. Klar wollte ich nicht pappen bleiben und mal eine gute Note hat mich auch gefreut, aber richtigen Ehrgeiz? Das ging mir ab.

Faszinierend für mich auch, mit welcher Leichtigkeit er das schafft! Die letzte Deutscharbeit zum Beispiel: Ich frag’ immer, ob wir da nochmal was durchgehen sollen, drüber reden. “Nöö, ich kann alles.”, und dabei hat er nicht einen Schlag zuhause getan. “Wie war die Arbeit?” – “Bin ich gut mit klargekommen.” Und dann schreibt er die beste Arbeit der Klasse. “Hab’ ich doch gesagt, dass ich alles kann.” Oha, Papa ist neidisch und, siehe oben, stolz.

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Wer sich jetzt fragt, wo es hingeht: in die Normandie, genauer gesagt in den Cotentin, Val de Saire, Department Manche (50), wie in den letzten 45 Jahren auch. O.K., ich glaube 2 Mal war ich im Sommer nicht da, 1988, als ich mit dem Zivildienst angefangen habe und nochmal während des Studiums. Und daher habe ich auch eigentlich immer meinen Geburtstag da gefeiert.

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Der Grundstein dafür wurde 1972 gelegt, da war ich mit meinen Eltern zum ersten Mal in Yport in der Nähe von Étretat.

So wahnsinnig viele Erinnerungen habe ich nicht mehr daran. Und ich kann auch nicht  sagen, ob das die eigenen Erinnerungen sind oder die Bilder aus den Erzählungen, an die ich mich erinnere. Aber es war schön da. Die hohen Kreidefelsen mit ihren Nasen ins Meer, die saftigen Wiesen bis an die Abbruchkante heran und die Steinstrände.

Mein Papa musste immer “Hinksteine” werfen, weil die für mich zu groß waren und wir zusammen Asterix gelesen haben. Ein Aufkleber mit Obelix zierte daher auch den Familien-R4.

Und in Vaucottes stellte sich immer die Frage, wo wir am Besten lagerten: Da, wo zuletzt ein Felssturz herunter gekommen war, sollte ja schon das lose Gestein unten liegen. Andererseits sollte da, wo noch nichts gefallen war, ja alles noch schön fest sein. Oder genau umgekehrt? Auf jeden Fall lebe ich noch und wir haben offensichtlich nichts fasch gemacht.

Qelle Titelfoto: Wikipedia