Blackout und eine der 1000 Fragen

Wenn das Internet oder das Telefon nicht funktionieren, komme ich mir manchmal vor, als würde mir ein Arm fehlen. Plötzlich bin ich vom Informatiosfluss abgeschnitten, an den ich mich so sehr gewöhnt habe.

***

Vor einigen Jahren war unsere Telefonleitung gestört, aber nicht so, dass das mal eben repariert werden konnte. Ja, ich meine dieses komischen Kupferkabel, an denen dann merkwürdige altmodische Kästen hängen, so mit Telefonhörer oder Modems.

Der Techniker kam nach einer Woche, und gab schon beim Öffnen der Tür die Diagnose: “Geht immer so an und aus, oder?” – “Ja.” – “Hab’ ich mir gedacht, ich messe auch nochmal, aber da kann ich nix dran machen, da muss ein Bautrupp kommen”.

Der Bautrupp kam nach einem Monat, hat gemessen, versucht die Pläne downzuloaden, was aber in einem Funkloch nicht so richtig funktioniert, ist weggefahren, kam mit 2 Transportern zurück, hektisch entspanntes Gearbeite. Ergebnis: Die Leitung in der Straße war defekt. “Da muss die Straße aufgemacht werden, aber wir markieren schon mal die Stelle für die Bauarbeiten.” Und ich hatte gedacht, ein Bautrupp wäre genau dafür ausgerüstet, Fehleinschätzung.

Noch einen Monat weiter dann die Bauarbeiter und schwupp, hatten wir wieder Internet und Telefon. Klasse!

Blöd nur, wenn man einen Internet-Shop hat, kein Festnetz und eben ein Funkloch. Gut war natürlich, wenn auch unbequem, dass ich jederzeit zum Dienst fahren konnte, um da die Leitung glühen zu lassen. Und nein, damals hatte ich noch kein Smartphone.

Aber das soll jetzt hier auch kein Dienstanbieter-Bashing werden, der gleiche Ausfall Anfang diesen Jahres war innerhalb einer Woche behoben, das fand ich bemerkenswert!

***

Jetzt muss ich mal kurz auf die Frage 106. vorgreifen. “Kannst Du eine Woche auf das Internet verzichten?”.

Kann ich. Und auch in meinen ersten ungefähr 29 Jahren habe ich ja ohne gelebt. Also eine bewusste Entscheidung, die nächste Woche ohne, klappt.

Will ich das? Jein.

Zum einen ist das Internet ja eine super Informationsquelle, wie ist das Wetter, wann macht was auf und zu, wie komm’ ich dahin, wo bekomme ich eigentlich dies oder jenes und was kostet das. Diese Informationen würden mir schon sehr fehlen.

Zum anderen ist es aber auch ein Kommunikationsweg: Messengerdienste, E-Mail, Blog. Die Kommunikation ist dadurch vielfältiger geworden und bequemer. Früher hieß das im Urlaub eine Telefonzelle suchen und anrufen. Oder Postkarten schreiben. Heute kann man schnell mal eben ein Bild schicken mit ein paar Sätzen dabei.

Ist die Kommunikation dadurch oberflächlicher geworden? Ja, wenn man das zulässt, aber darf man die Technik dafür bewerten, wie man sie nutzt, oder muss man sich schon an die eigene Nase fassen?

Diese ganzen bewussten Verzichtsnummern haben ja eigentlich immer so einen  leicht spirituellen Touch, von wegen Besinnung auf sich selbst und so. In den 60er/70er Jahren hat man dafür bewusstseinserweiternde Drogen genommen, heute schaltet man das Smartphone aus oder macht Heilfasten.

***

Ich habe die Frage auch schon mal in der verschärften Variante gelesen: “Kannst Du ohne das Internet leben?”

Ich hätte eigentlich immer geantwortet “Klar, kann ich!”, aber wenn man genauer überlegt, wie viel im heutigen Leben davon abhängt, von der Infrastruktur, über Logistik bis hin zum Bankenwesen, dann frage ich mich, was passiert, wenn das Netz wirklich mal lahmgelegt wäre. Keine schöne Vorstellung.

***

Dagegen war der Ausfall bei Facebook, Whatsapp und Instagram letzte Woche ja eine Lachnummer, auch wenn durch das damit ausgelöste Chaos mein Betrag von Mittwoch auf Donnerstag darin völlig untergegangen ist und bisher nur eine Leserin hatte. Und der hatte ich den Link direkt zugeschickt, aber auch nicht per Postkarte.