Le Cap de La Hague

Wenn ich hier im Nordwesten des Cotentin an der Küste bin, könnte ich mich jedes Mal tot-fotografieren, gerade bei dem Wetter. Durch das schnell wechselnde Wolken- und Wellenbild und die damit ständig wechselnden Lichtverhältnisse ist eben nicht ein Bild wie das andere.

Ich habe mal versucht eine kleine Auswahl zu treffen. Wie immer macht ein Klick oder Tippen die Bilder schön groß.

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Als erstes sind wir nach Goury, die Straße endet da, für mich immer ein bisschen das Ende der Welt.

Goury

Goury

Goury

Goury

Der Wind war in Böen so stark, dass ich nicht weiter auf die Felsen klettern konnte, weil ich keinen festen Stand mehr gefunden habe. Aber ich konnte mich prima am Wind anlehnen.

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Danach sind wir nach Herquemoulin, Les Treize Vents, ein paar Kilometer südlich von Goury kurz vor der Bucht von Biville, die mitten zwischen den Felsen mit Dünen aufwarten kann.

Herquemoulin, Les Treize Vents

Herquemoulin, Les Treize Vents

Herquemoulin, Les Treize Vents

Aber auch bei “schönem Wetter” bietet sich da ein traumhaftes Farbenspiel im Wasser.

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Gegen Abend sind wir dann nochmal nach Goury, weil mit steigender Flut die Wellen da so schön über die Kaimauer spritzen.

Kaimauer von Goury bei Sturm

Kaimauer von Goury bei Sturm

Kaimauer von Goury bei Sturm

Kaimauer von Goury bei Sturm

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Und ein paar Kilometer im Rücken des Fotografierenden ist dann die Wiederaufarbeitungsanlage von La Hague, die da gebaut worden ist, weil die Strömung vor der Küste so schön stark ist und damit die Grenzwerte des radioaktiven Abwassers eingehalten werden können. Und sollte die Brühe doch mal zu stark sein, dann gibt es immer noch einen kleinen Stausee, mit dem sie die Brühe vorverdünnen können. Und ab und zu wird auch mal die gesamte Milch der Umgebung aufgekauft.

die Wiederaufbereitungsanlage von La Hague

It’s raining men, …

Regen im Cotentin

Urlaub ist nicht immer nur Sonnenschein und die Natur  braucht es. Und die Bauern auch, selbst wenn dann gestern Abend etwas Hektik aufkam, weil das Stroh noch schnell ins Trockene musste.

Strohernte
Strohernte

Die abendliche Angelpartie viel dann auch wegen der ersten Tropfen und des aufkommenden Sturms aus. Das Würmerbaden ist auf Mittwoch verschoben.

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Für mich die Möglichkeit heute ein bisschen zu arbeiten, mit Kunden zu kommunizieren und Organisatorisches zu regeln.

Aber nachher fahren wir mal an die Westküste, vorbei am radioaktiven Müll Europas in La Haugue nach Goury und sehen uns die Auswirkungen des Sturmtiefs da an. Das wird eine feuchte Angelegenheit, sowohl von oben als auch von Seiten der Wellen. Ich verspreche Euch ein paar schöne Fotos davon.

Das richtige Wetter zum Autowandern.

50 + 1/365 und immer noch keine Veränderung

Da heute Morgen immer noch alles gut war, lasse ich das Thema jetzt.

Aber wir haben gestern sehr schön am Strand gefeiert. Und damit ist es dann auch Zeit über das Geburtstagsgeschenk zu reden. Es waren nämlich kalte Getränke und Eiswürfel dabei, im neuen Kühlschrank:

Der neue Kühlschrank ...
Der neue Kühlschrank …
... und die Getränke am Strand
… und die Getränke am Strand

War schön so zu feiern im Abendlicht.

Und da meine Getränke alkoholischer Natur waren, haben der Sohn und ich dann auch gleich da übernachtet …

… und das Morgenlicht genossen. Nur für den Sonnenaufgang über dem Meer hat es nicht gereicht, dafür waren die Betten zu bequem.

… 48 – 49 – 50

Cidre rose

Jetzt bin ich also 50. Um 12 Uhr letzte Nacht, wir haben noch mit einem  leckeren rosa Cidre Bouché angestoßen, gab das Bindegewebe nicht spontan nach und das Fleisch fiel nicht herunter. Die Schwester meinte dazu, das sei es doch schon vorher.

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Weitere philosophische Gedanken über das Alter erspar ich mir. Das wäre zu langatmig. Aber in meiner Jugend, also grad gestern noch, waren Leute über 50 für mich steinalt. Ich fühl’ mich vom Kopf her eigentlich immer noch wie damals, aber deshalb bin ich für Jugendliche heute wahrscheinlich steinalt. War ich aber wohl auch schon gestern. Trotzdem habe ich das Altsein jetzt auf 60 verschoben.

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Gestern gab es schon zum zweiten Mal im Urlaub geräucherte Makrele zu essen.

Räuchermakrele
Räuchermakrele

Das Räuchergerät habe ich vor ein paar Jahren von der Schwester, Ihr ahnt es, zum Geburtstag bekommen. So eine einfache Edelstahl Form mit Deckel und Rost innendrin und zwei Spirituskochern untendrunter. Wie bei so vielem, habe ich den “gepimpt”. Die Spirituskocher habe ich gegen meinen kleinen transportablen Gaskocher ausgetauscht und kann damit jetzt die Temperatur ein bisschen besser regeln und der Fisch wird damit erheblich schonender geräuchert und gegart.

Räuchergerät

Vorher verqualmte das Räuchermehl unter Vernebelung der ganzen Gegend innerhalb weniger Minuten. Jetzt ist die Rauchentwicklung außerhalb der Kiste bei fast Null und der Geschmack damit milder und gleichzeitig intensiver. Und das Fleisch bleibt etwas fester und saftiger, der Fisch ist ja noch keine 50.

Das Netz – aber nicht zum Fischen

Le Val de Saire

Gestern war der erste Tag mit Regen und mit frischen und angenehmen 21°.  Die Tage davor waren unerträglich heiß … also für hier … im Inland bis 28°. Bei Euch, habe ich gehört, war es ein bisschen wärmer. Aber der Metzger meinte schon, so Temperaturen, das wäre nicht die Normandie.

Wäre Rollo der Wikinger bei solchen klimatischen Bedingungen hier angekommen, er hätte spontan wieder umgedreht. Und vermutlich wäre die Geschichte eh anders gelaufen, weil  William der Bastard (genannt der Eroberer) wahrscheinlich nie Richtung England aufgebrochen wäre, zu warm zum Erobern, und das “White Ship” wäre auch nicht hier gesunken.

William soll sich angeblich in Barfleur eingeschifft haben. Sein Schiff, die Mora, ist aber wohl wirklich da gebaut worden. In Barfleur erinnert noch eine Plakette und eine “Tanzlokalität” gleichen Namens daran. Das ganze Disko zu nennen wäre jetzt auch übertrieben. Ob er wohl am Vorabend der Eroberung hier eingekehrt ist?

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Wie ja in der Vorbereitung angedeutet hieß früher Kontakt zur Familie oder zu Bekannten halten, dass ich mich auf’s Fahrrad geschwungen habe, ins nächste Dorf gefahren bin und dann da eine Telefonzelle aufgesucht habe. Oft bedeutete das mehrere Telefonzellen, denn die meisten haben nicht funktioniert. Krönung war eine, auf die jemand mit dem Finger auf die dreckige Scheibe “En panne, comme toujour” geschrieben hatte.

Das Handy an sich war da schon ein großer Fortschritt, ersparte einem aber das Fahrrad auch noch nicht so ganz, weil jetzt bestimmte Punkte angefahren werden mussten, an denen man Empfang hatte, sowas wie “der zweite Strommast den Weg rechts entlang”. Ich hab’s sogar mal mit einem dieser Verstärker versucht, rausgeschmissenes Geld.

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Mittlerweile geht das mit dem Telefonieren sogar hier im Haus, nur Internet, naja. Angeblich habe ich Empfang, Chrome weigert sich aber standhaft Webseiten aufzurufen, weil ich offline sei. Gleichzeitig kommen aber Benachrichtigungen von anderen Apps rein und ich kann auch was verschicken.

3 Schritte weiter, vor dem Haus, habe ich Empfang: 4G! Und wenn’s regnet? Ja, Hotspot nach drinnen, sieht dann so aus:

Hotspot im Regen
Hotspot im Regen, das smarte Phone liegt darunter noch auf einer Tasse

Und das mit dem Hotspot funktionier jetzt sogar, nachdem ich mit meinem neuen Handy erstmal kein Internet hatte, über das des Sohnes aber schon, der Sohn über meins auch nicht aber auch über seins.

Trotzdem war das nicht ein Problem des Telefons, sondern der DNS-Verbindungseinstellung am Laptop, die ich irgendwie händisch auf 8.8.8.8 oder alternativ auf 8.8.4.4 stellen musste, was auch immer das jetzt bedeuten soll. Mich wundert daran ja nur immer, dass so Kleinigkeiten heute noch immer vorkommen.

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Das Titelbild ist übrigens das Panorama über das Val de Saire von La Pernelle aus. So sieht dann eine Richtung in besserer Auflösung aus:

Le Val de Saire
Le Val de Saire

Diesen wunderschönen Panoramapunkt haben auch schon unsere Vorfahren für einen ihrer Bunker genutzt, die jetzige Umnutzung gefällt mir besser.  Schwerter zu Pflugscharen.

Wenn man mal in die andere Richtung guckt, dann sieht das so aus, auch nicht schlecht:

La Pernelle
La Pernelle
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Die Jungs haben übrigens einen neuen Haarschnitt bekommen, nachdem sie sich ausgiebigst in Kletten gewälzt hatten. Kosmetik half da nix mehr, eine komplett neue Kurzhaarfrisur war angesagt:

Paul
Paul

Und prompt sind sie gestern am Strand von Kindern als “mignon” bezeichnet worden. Ob die Bezeichnung von meinen beiden starken sich selbstüberschätzenden Männern als ehrenwert empfunden wird, weiß ich nicht. Die meinten dann doch lieber einen Bullen (also so einen echten mit Hörnern) verkläffen zu wollen.

La mer, au ciel d’été

La mer, au ciel d'éte

Wenn ich mich ins Boot setzte, vom Ufer abstoße und auf’s Meeer raus fahre, dann werde ich immer ganz ruhig. Im Grunde tu’ ich dann einfach mal nix. Ja, Gas geben und Boot auf Kurs halten, Atmen auch. Aber sonst eben nix. Und der Kopp wird frei. Einfach nur das Wasser, der Wind und ein bisschen Geschaukel.

...

Und die Perspektive wird eine andere. Mal nicht vom Land auf’s Wasser schauen, sondern vom Wasser auf’s Land. Ersteres ist ja schon toll, letzteres aber für mich noch eine Schüppe drauf. Es lohnt sich eben, Dinge von zwei Seiten zu betrachten.

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Seit zwei Jahren geht mir ja viel zum Thema Beziehung durch den Kopf. Zuerst situationsbedingt das, was ich nicht mehr wollte, aber in zunehmendem Maße eher die Fragen, wie ich mir Beziehungen unter Menschen so vorstelle.

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Vor dem Urlaub kam die Schwester an, die ja zur Zeit auch in der Gegend Ferien macht (unsere Urlaube in der Kindheit waren eben bei uns beiden prägend) und meinte, ich sollte nicht beleidigt sein, wenn sie mal nicht was mit uns zusammen unternehmen wolle. Ich hab’ Ihr gesagt, das ich aber auch nicht im Geringsten beleidigt sei, schließlich machte sie ja eigentlich ihren Urlaub, und wir unseren, und klar sei das schön, wenn man sich sehen würde und auch mal was zusammen mache, aber das sich daraus ja keine Verpflichtung ableiten lasse, auch wenn da mal der eine oder andere Vorschlag zu einer gemeinsamen Unternehmung käme.

Und so haben wir gestern Morgen zu dritt gemütlich am Strand gefrühstückt. Mit frischem Brot, Croissants, Eiern, Milchkaffee, Käse, Creme Fraiche und Marmelade. So ein Camper Van hat schon was, auch wenn man nicht darin schläft.

Nach 2 Stunden Frühstück war  der Tisch ziemlich leer
Nach 2 Stunden Frühstück war der Tisch ziemlich leer

Nachher noch ein Spaziergang mit den Jungs ans Wasser und zum Schluss noch in einer anderen Bucht schwimmen gewesen. Also ich jetzt nicht. Nicht, weil das Wasser zu kalt war, sondern weil ja einer bei den Jungs am Strand bleiben musste (billige Ausrede, ich weiß).

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Das ist so ein Punkt, der für mich das Zusammenleben mit anderen so viel einfacher macht. Wenn beide Seiten offen und ehrlich sagen, was sie wollen und auch nicht eingeschnappt sind, wenn der andere das nicht teilt.

Auf der einen Seite muss man sich damit nicht genötigt fühlen, an etwas teilzunehmen, das man nicht mag oder auf das man in dem Moment keine Lust hat. Auf der anderen Seite kann man aber auch viel offener Einladungen aussprechen, weil man weiß, dass der andere sich dadurch auch nicht gezwungen fühlt sie anzunehmen und das auch sagt. 

Aber leider scheint das noch immer nicht die Regel zu sein.

Enfin, les vacances

Das Meer ist noch da.

Schon die letzten beiden Jahre haben wir die Fahrt in den Cotentin,  von uns aus so 850 km, in zwei Etappen gemacht. Einerseits ist das viel entspannter als früh morgens hektisch abzufahren, den ganzen Tag hinter dem Lenkrad und abends nur noch platt anzukommen, zum anderen haben wir auch noch einen fast geschenkten zusätzlichen Tag. Dieses Jahr ging das natürlich mit dem Camper Van noch viel bequemer, weil wir nicht quer auf den puckeligen Sitzen schlafen mussten.

Freitag bin ich ja erstmal nach Düsseldorf, um den Sohn einzusammeln, und von da aus, nach ein bisschen Quatschen, einem Teechen und den üblichen Verzögerungen, so gegen halb 5 losgefahren. Mit dem Boot auf dem Trailer fährt sich das ja auch nicht so schnell, man könnte auch sagen noch langsamer, aber mit einbrechender Nacht waren wir schon kurz hinter Rouen.

Es gibt bestimmt romantischere Stellplätze, aber auf der Durchreise hat es auch ein Autobahnparkplatz getan, wenigstens lag der ein Stück abseits. Morgens noch 2 Stündchen Fahrt.

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Als erstes mal ans Meer, ja, war noch da und gleich ab ins Wasser, wir nur mit den Füßen, die Jungs komplett mit anschließendem Sandbad.

Das Sandmonster
Das Sandmonster

 

Dann noch frisches Brot, Pain Chocolat, Tartelette aux Fraises, das Leben kann schön sein.

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Und gestern dann der erste Trödel in Le Vast.

Ich liebe französische Trödelmärkte. Da wird wirklich noch viel an altem Kram verkauft, der nicht mehr gebraucht wird oder der irgendwie geerbt wurde und dann echt billig verkauft wird. Für uns hieß das ein neuer gusseiserner Fondue Topf für 10 Euro, zwei Kerzenständer aus Zinn für 6 Euro und ein Satz Messer mit echten Horngriffen für 3 Euro.

Schnäppchen

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Mal sehen, was heute so kommt, es sind ja Ferien.

Tag (0) – Gentlemen, start your engines!

J'aime le Cotentin

Also habe ich es doch wieder geschafft, trotz dieser 1000 Kleinigkeiten.

Ich hatte ja extra einen Testlauf des Aussenborders gemacht. Nur auf dem Ständer nutzt mir der ja auch nix, der muss ja ans Boot. Und dann hing die eine Flügelschraube. Rostlöser – warten – 2. Versuch – weiter warten – 3. Versuch – Flügel abgebrochen.

So werkzeuglose Montagehilfen aus Plastik sind ja echt ne tolle Sache. Wenn die kaputt gehen, hat man kein Problem den Rest mit einer Zange auch noch abzubrechen und dann mal mit Werkzeug einen neuen Versuch zu starten. Also Engländer heraus geholt, zwei Mal wackeln und die Schraube war lose.

Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert.

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Wer sich jetzt als nicht so Werkzeug affiner Mensch fragt, wieso ich einen Engländer gebraucht habe um die Schraube zu lösen, dem sei gesagt, dass das nix mit dem Brexit zu tun hat. Da böte sich zwar jetzt die Möglichkeit einiger schöner Lästereien zwischen Brexit und festhängenden Schrauben an, aber lassen wir das.

Ich bin auch nicht der Meinung, dass man unbedingt wissen muss, dass das Gliedermaßstab heißt und nicht Zollstock, oder Innensechskant anstelle von Inbus oder (in Werkstätten als besonders beliebte Lachnummer) Imbus. 

Aber die Nummer mit dem Engländer finde ich schon ganz lustig. Ob die stimmt, weiß ich aber auch nicht. Angeblich heißt dieser verstellbare Schraubenschlüssel (Rollgabelschlüssel) nämlich nur hier auf dem Kontinent Engländer, in England und den USA aber Franzose, wobei der wieder noch ein Maul auf der anderen Seite hat.

Namensgebend soll aber der Umstand sein, dass im englischsprachigen Raum zöllige Schrauben üblich sind, auf die keine metrischen Schraubenschlüssel passen und auf dem Kontinent eben metrische, auf die die zölligen Werkzeuge wieder nicht passen. Und damit lösen dann die Franzosen die englische Muttern mit dem Engländer und die Engländer die französischen Schrauben mit dem Franzosen.

Eigentlich gehört das wohl in die Kategorie “Nutzloses Wissen”, ich finde das aber gar nicht so nutzlos.

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2016 – ….

Seit 2016 wohnen wir jetzt in den Ferien in Teurthévile-Bocage, im Hammeau Gosselin. In dem Weiler leben nur unsere Vermieter und deren Sohn mit Familie. Der Sohn betreibt jetzt deren Hof mit den Kühen und baut auf den Ackerflächen das komplette Futter für die gut 100 Tiere selbst an. Die leben auf einer großen Wiese mit angrenzendem Stall, wo sie nach eigenem Gutdünken zum Melken und Fressen kommen können oder eben den Tag im Freien auf der Weide verbringen.

Das ist jetzt da nochmal eine Schüppe drauf auf die Verbundenheit zu der Gegend, weil auch in den Ferien natürlich der Betrieb weiter läuft, mit allem was dazu gehört.

Kuhtrieb am Morgen vertreibt, na Ihr wisst schon
Kuhtrieb am Morgen vertreibt, na Ihr wisst schon

Und die Vermieter wohnen direkt vis-a-vis, bringen mal einen Salat, was Cidre oder auch Eier aus eigener “Produktion” vorbei und man redet. Der Sohn und ich, wir sind ja mittlerweile nur noch zu zweit unterwegs, fühlen uns da sauwohl.

Und die Gummipelle ist einem kleinen Holzboot gewichen, das ich vor zwei Jahren gebaut habe.

Mit dem Boot nach Tatihou
Mit dem Boot nach Tatihou
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Jetzt geht’s los.

Abfahrt
Abfahrt

Tag (-1) – Licht am Ende des Tunnels

Panorama La Hougue

Eins fehlt mir ja dieses Jahr noch bei der Urlaubsvorbereitung. Die letzten Jahre habe ich eigentlich immer an den letzten Tagen morgens nach dem Aufstehen auf der Terrasse gesessen und meinen Kaffee da getrunken. Das war zwar meist jetzt auch nicht so warm, dass ich es nur da ausgehalten hätte, aber es waren auch nicht nur die aktuellen 13°.

Nein, ich will jetzt nicht in das Horn der Dumpfbacken stoßen, die bei den aktuell mal etwas unterdurchschnittlichen Temperaturen von -1 K  im nördlichen Teil Deutschlands gleich von Herbst schreiben. Es ist mir nur gerade aufgefallen.

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Statler und Waldorf sind wie immer unzufrieden. Der eine wäscht sein Auto auf seinem Grundstück und der andere entsorgt seine Gartenabfälle hier in der Schonung. Aber trotzdem meinen Sie die Nachbarschaft, die hier eigentlich sehr gut ist, mit ihren Intrigen auf den guten Deutschen Weg bringen zu müssen.

Eine Nachbarin von gegenüber bekommt eigentlich regelmäßig Besuch vom Schiedsmann, weil mal wieder ein Grashalm über die Grundstücksgrenze hängt oder Sie angeblich einen Baum zu nah an selbiger gepflanzt habe, der sich dann aber nur als Blumentopf entpuppt.

Gestern war ich dann mal wieder mit den Hunden dran.

Vor ein paar Jahren war dieser wirklich sehr nette Schiedsmann schon mal da gewesen, weil die Jungs zu laut waren. Und damit meine ich jetzt alle Jungs, weil der Sohn mit seinem Freund im Garten mit denen gespielt hatte. Seit dem achte ich darauf, dass die nicht länger als 10 Minuten  am Stück und 30 Minuten am Tag bellen. Wenn die das tatsächlich täten, ginge mir das selber auf die Nerven. Der Sohn bellt seit dem gar nicht mehr.

Diesmal hatten sie angeblich vor 6 Uhr morgens gebellt. Da mein Wecker eigentlich erst um 6:10 Uhr klingelt muss ich jetzt mal ein ernstes Wort mit den Hunden reden, weil die sich doch nicht einfach meine Schlüssel nehme und rausgehen können, ohne mich zu vorher zu fragen. 

Und nein, ich habe mir meinen Wecker heute nicht auf 6 Uhr gestellt, um die Jungs dann mit dem Ball als Bellgarantie rauszuschicken und ich stehe auch nicht mit der Stoppuhr da und animiere sie 9:59 Minuten lang zum Bellen, auch wenn der GEdanke kurz aufkam.

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Geburtstagsgeschenk Teil 2 ist gestern auch noch gekommen, für die Jungs habe ich jetzt eine Trennwand in den Fußraum des Autos eingebaut, damit die nicht immer in der Transportkiste reisen müssen, der Quirl am Boot läuft auch, die Wäsche ist trocken geworden, also eigentlich alles perfekt.

Gestern fiel dem Sohn noch ein, dass der Klappspaten, ein zwingendes Zubehör zum Staudammbau, seine klappende Funktion nach 20 treuen Dienstjahren im letzten Urlaub eingestellt hatte. Also musste noch schnell ein neuer her, der soll aber heute noch kommen.

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Wanderjahre trifft es. Das erste Jahr haben wir noch für eine Woche ein kleines Häuschen gefunden. Das Problem war, dass der Sohn in die Schule musste, die Absage wieder mal recht knapp kam und das ganze ja auch irgendwie bezahlbar beleiben sollte. So in der Kategorie ab 1000 Euro die Woche wären zwar einige schöne Objekte noch frei gewesen, aber…

Das Jahr drauf wurden wir dann noch weiter im Landesinneren fündig. Zwei wunderschöne Wochen mit eigenem kleinen Hinterhof zum Boulespielen, einem Brunnen mit Schwengelpumpe für den Sohn und funktionstüchtigem offenen Kamin. Das Problem war nur, dass die Vermieter die Vermarktung ab dem nächsten Jahr dann in die Hände einer deutschen Agentur gegeben hatten, womit die Miete mal eben um schnuckelige 65% auf 680 Euro die Woche gestiegen war.

Also zogen wir weiter und wurden bei Nadine und Patrick in Le Vast für die nächsten Jahre fündig. Auch mit Kamin, die Wohnung noch schöner aufgeteilt, einen kleinen Garten hinten dran und noch den Hinterhof zum Boulespielen. 

Was mir in den Jahren ein bisschen verloren gegangen war, das war dieser Kontakt zum normalen Leben. Die Häuschen waren alle sehr schön im englischen Landhausstil eingerichtet (in Frankreich) und spielten einem diese heile Touristenwelt vor. Mir fehlte der Kontakt zu den Vermietern und zu den Nachbarn, die wollten ja alle dieses ruhige Touristenidyll nicht stören.

Aber ich bin doch eigentlich kein Tourist mehr! Beim Metzger und beim Bäcker werde ich mit Handschlag begrüßt, ich weiß wo es den besten Käse und Fisch gibt, ich kenne viele Lebensgeschichten der Leute und habe deren Kinder groß werden sehen. Und da soll ich mich gestört fühlen, wenn die Vermieter zum Quatschen vorbei kommen?

Aber trotzdem haben wir schöne Urlaube verbracht, ganz in der Familientradition hielt ein Schlauchboot Einzug, der Sohn hat seinen ersten Fisch geangelt und gegessen und das Wasser war genauso kalt wie in all den Jahren zuvor.

Kleiner Mann mit großem Fisch
Kleiner Mann mit großem Fisch

Aber die Zeiten haben sich da geändert, auch mit dem Mieten. Früher reichte ein Anruf oder wir haben bei der Abfahrt gesagt, wann wir nächstes Jahr kommen. Heute malt zuerst, wer zuerst kommt. Und so war dann auch 2016 wieder jemand schneller als wir.

 

 

Tag (-2) – Chaostage – aber nicht in Hannover

Blick auf Tatihou

Das schöne, wenn man dann anfängt zu packen, ist ja das anfängliche Chaos. Da helfen  auch die Listen nix mehr. Das ist wie eine Rolle mit Kordel, die ist ordentlich aufgewickelt, man zieht dran und sie verknotet sich. Aber vielleicht geht das ja auch nur mir so.

– Wäsche
Wer packen will, der muss vorher die Wäsche auch waschen und vor allem trocknen! Trockner hab’ ich nicht, aber einen Raumluftentfeuchter, der jetzt im Bad vor den Wäscheständern steht. Wer konnte denn erwarten, dass genau in dieser Woche das Wetter zum Trocknen nicht geeignet ist.
Jetzt steht also schon eine halb angefangene Kiste mit Klamotten da, Rest folgt später.

– Küchenkiste:
Super Idee, wenn das mit der Wäsche schon nix ist, dann doch die Küchenutensilien schon mal zu packen. Muss ja nicht am letzten Tag sein, ich kann mir ja immer noch was zu Essen improvisieren, der Sohn ist ja nicht da (Lotterhaushalt!).
Nur dann viel mir auf, dass ich dafür noch was vom Aldi brauche, also:

– Einkaufen bei Aldi
Es gibt bestimmt Sachen, die nehm’ ich mit in Urlaube, sowas wie Mineralwasser, Waschmittel, Küchentücher, Sonnenblumenöl für die Fritteuse, Grillkohle und auch Klopapier (französischen Klopapier ist einfach furchtbar). Der Einkauf war schnell erledigt, aber ob der Sohn noch eine Aufladung für sein Telefon brauchte, viel mir erst nachher ein.

– Küchenkiste fertig packen
Das war doch wenigstens mal was :-), also zum Teil. Abends hab’ ich sie wieder ausgepackt, weil mir der Schaumlöffel fehlte.

– Auto startklar machen:
Die Scheiben mal von innen reinigen, einmal durchsaugen, sowas halt. Und dann kam der Paketbote mit meinem Geburtstagsgeschenk Teil 1, das wollte dann doch noch begutachtet werden.

So Tage gehen wahnsinnig schnell vorbei. Kurz nicht aufgepasst und schon ist es 15 Uhr.

Ich hab’ dann aber ‘nen Rappel bekommen und die Bude wenigstens mal ein bisschen  wieder in Richtung Ordnung geschubst, ging ja so überhaupt nicht, alle Kisten im Weg. Auch wieder wie bei den Knoten an der Kordel, erst zupft man noch dran und bekommt wenigstens ein bisschen was abgerollt, aber dann hilft nur noch Entknoten.

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Nach der Europawahl ist gestern dann tatsächlich Ursula von der Leyen   zur Kommisionpräsidentin gewählt worden. Da haben wohl bei McKinsey die Korken ein zweites Mal geknallt.

Wird die Gorch Fock jetzt zum Flagschiff Europas?

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Erstaunlicherweise kann ich mich an die Jahreszahl unseres “Umzuges” nicht mehr erinnern. eigentlich ja näher dran, aber trotzdem.

Die neue Bleibe hatten wir durch einen Tipp eines befreundeten Lehrerehepaars aus Quettehou bekommen. Wir sollten es doch mal bei Varins versuchen. Glücklicherweise war keiner von uns mehr an die Schulferien gebunden, und so machten wir in dem Jahr im September Ferien, was sich in den darauffolgenden Jahren auch so fortsetzte. Grund dafür war, dass immer mehr Leute die Schönheit der Gegend entdeckt hatten, die Ferienhäuser aber fast nicht mehr geworden waren. Meistens handelte es sich dabei eben um alte Häuschen, die zum Vermieten hergerichtet wurden.

Bei Varins waren wir gut aufgehoben. Und dieser Luxus!!! Eine echte Dusche, eine Spülmaschine, Backofen mit Drehspieß und genug Platz. Aber zum ersten Mal seit 1974 mussten wir zum Strand fahren. Die Wohnung lag im Landesinneren, also so ca. 5 km vom Wasser weg, genau hier. Das war jetzt aber auch nicht mehr das Problem, weil wir mittlerweile mit 2 Autos unterwegs waren, zum Teil sogar 3 Karren am Start hatten. Und das zwingende “Ich will jetzt aber an den Strand, eine Sandburg bauen” hatte sich so ziemlich erledigt.

Unser Vermieter, ich würde sagen ein Naturphilosoph, war früher Schweinezüchter gewesen und hatte das Haus aus einer Ruine neu aufgebaut. Unten wohnten er und seine Frau, oben wir. Der Reiz dieses Fleckchens Erde besteht in den noch intakten Hecken, die die Weiden und Felder eingrenzen. Rechts und links der sehr schmalen Straßen ragen diese völlig wilden Hecken aus allem was so wächst 4 oder 5 Meter hoch und werden nur von dem Trecker in Schach gehalten, der auch die Randstreifen mäht.

La vache normande
La vache normande

Gestern habe ich geschrieben, dass ich durch das Cap meine zweite Heimat gefunden habe. Heute sage ich, am Perron habe ich mich in der Gegend verwurzelt. Anders als am Meer direkt bekam ich hier das normale alltägliche Leben in diesem Landstrich mit. Wie der Bauer im Weiler nebenan jeden Tag seine Kühe auf die Wiese und Abends wieder zum melken in den Stall trieb, wie die Felder bestellt wurden , normales Leben eben.

Einmal sind wir im Winter in der Nacht vom 30. auf den 31 Dezember eingeschneit. War das ein Fußmarsch, um noch was für das Silvesteressen zu bekommen! Der Schnee lag bestimmt 40 cm hoch und wir sind mit Tee und Rum bewaffnet durch den Schnee gestapft.

Und so vergingen auch diese Jahre, die ersten noch mit meinen Eltern, dann mit der Freundin, die zur Frau wurde und zum Schluss zu dritt mit dem Sohn.  Und es hieß wieder Sandburgen bauen, oder besser gesagt Staudämme. Das Wasser, was bei Ebbe so aus dem Strand sickert und sich um die kleinen Felsen zu Rinnsalen vereinigt, lässt sich super aufstauen und irgendwann bricht der Damm. Herrliches Spiel, auch für Papas.

Als der Vermieter starb und die Familie das Haus ein Jahr später verkaufen wollte, begann wieder die Zeit der Wanderschaft, das war 2010.